St. Bonifatius Wiesbaden

Webfehler für den Heiligen Geist

Theologie SpiritualitätBenjamin Dahlhoff

Impuls zu Pfingsten von Schwester Katrina Dzene

Liebe Gemeindemitglieder,

kennen Sie die Geschichte über die Navajos, einen Indianerstamm in Nordamerika? Wenn die Frauen dort einen Teppich herstellen, dann weben sie ganz bewusst in einer Ecke einen kleinen Webfehler ein. Dieser Webfehler ist für sie die Stelle, an der der Geist in den Teppich hineingeht und auch wieder hinausgeht. Das ansonsten sehr gleichmäßige und genaue Muster wird unterbrochen, damit der Geist eine Chance hat.

Ich finde, hier gibt es Ähnlichkeiten mit dem Heiligen Geist. In der Apostelgeschichte können wir lesen: Als Menschen zu Pfingsten mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden, begannen sie, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. Alle, die das miterlebten, gerieten außer sich und waren ratlos. Manche spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.  

Das Verhalten von den mit dem Heiligen Geist erfüllten Menschen war außergewöhnlich anders geworden. Das alte Muster war durchbrochen. Die Reaktionen der Mitmenschen waren unterschiedlich: von Verwunderung bis Spott. 

Wie sieht es bei mir aus? Lasse ich es zu, dass meine Denk- undVerhaltensmuster unterbrochen werden? Oder muss alles so bleiben, wie ich es für richtig halte?  Hat der Heilige Geist eine Chance, in mir zu wirken? Oder vielleicht habe ich Angst vor möglichen spöttischen Reaktionen der Menschen und verändere nichts? 

Wie sieht es in unserer Gemeinde, an unseren Kirchorten aus? Haben wir den Mut, die kleinen Webfehler zuzulassen, in denen der Geist Gottes wirken kann? Oder muss alles schon verplant sein?  Muss alles so laufen, wie es immer war? Oder darf es auch anders werden?

Als ich vor einigen Jahren zu Besuch in Steyl in den Niederlanden bei den Steyler Anbetungsschwestern war, erzählte eine der Schwestern, dass sie den Heiligen Geist verehren. Aus Neugier fragte ich, wie sie das genau tun. Ihre Antwort beeindruckte mich so sehr, dass ich sie nicht vergessen kann. Sie lautete: Wir verehren den Heiligen Geist in unseren Mitschwestern / Mitmenschen. 

Der Heilige Geist lebt in uns. Jede und jeder von uns hat besondere Begabungen von Gott, die gelebt werden möchten. Geben wir Gott die Chance, durch uns zu wirken: sei es in der Familie, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in der Kirchengemeinde und überall, wo wir sind! Wagen wir es, die kleinen Webfehler für den Heiligen Geist zu sein! Verehren wir den Heiligen Geist in unseren Brüdern und Schwestern in Christus!

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein frohes Pfingstfest!

Ihre Schwester Katrina Dzene,
Gemeindereferentin