St. Bonifatius Wiesbaden

Beten für unsere Verstorbenen

Aufsuchende Seelsorge, Gemeindebrief, Theologie SpiritualitätPhilippe Jaeck

Ein besonderer Gottesdienst im Altenheim.

Manche Heime haben einen Gedenkplatz eingerichtet für Menschen, die in diesem Haus gelebt haben und gestorben sind. Ein kleiner Tisch, ein Engel oder eine Kerze mit einem Buch, das Angehörige oder Mitarbeiterinnen gestalten. Fotos, Bibelverse und Texte erinnern an die Verstorbenen und geben ihnen einen Platz und eine Würde über den Tod hinaus.

Marion Lindemann

In einem Haus, in dem ich regelmäßig Gottesdienste halte, gibt es seit einigen Jahren eine Tradition in Form eines feierlichen Gedenkgottesdienstes für die verstorbenen Bewohner. Das Besondere an diesem ökumenischen Gottesdienst ist zum einen die Beteiligung und Motivation der Mitarbeitenden im Haus, zum anderen der Rahmen. Zahlreiche Angehörige der Verstorbenen nehmen an dem Gottesdienst teil. Sie werden von Mitarbeitern und Seelsorgern zu Beginn begrüßt und nehmen ihren Platz ein vor dem Tisch mit den Kerzen und Namensschildern ihrer verstorbenen Ehepartner, Eltern oder Großeltern. Eine große Osterkerze, eine Bibel und das Gedenkbuch sind sichtbar für alle, die den Gottesdienst mitfeiern.

Nach einem feierlichen Klavierspiel und der Einführung durch den evangelischen und katholischen Seelsorger werden Psalmen gebetet, Lieder gesungen und das Evangelium gelesen. Bei der Predigt gilt es, viele(s) im Blick zu haben: Menschen mit starker Demenz und solche, die geistig sehr fit sind. Menschen, die sich durch ihr Alter und ihre Gebrechlichkeit dem Tod nahe fühlen und solche, die jeden Tag Bewohner motivieren, ihre Fähigkeiten zu stärken. Und die Angehörigen, die einen vertrauten Raum haben, wo sie Trost erfahren.

Dank dem fürsorglichen Blick der Pflegerinnen und Angehörigen können auch Kranke diesem Gottesdienst folgen und etwas spüren bei den Gesängen, Worten, dem Anzünden der Kerzen für die Verstorbenen. Ich glaube, sie spüren Gottes Nähe und Fürsorge durch die Atmosphäre und die Nähe der Menschen, wenn sie den theologischen Ausführungen nicht mehr folgen können. Die Fürbitten tragen Mitarbeiterinnen und Angehörige vor.

Nach dem gemeinsamen Vaterunser, dem Schlusslied und Segen klingt der Gottesdienst aus mit einem Klavier- und einem Gesangsstück. Die Dankbarkeit und Anerkennung der Mitfeiernden hat den Pfarrer der Lutherkirche und mich schon einige Male reich beschenkt. Wenn ich nach den anschließenden Gesprächen die Osterkerze vorsichtig einpacke, sehe ich Angehörige, die die Kerzen ihrer Verstorbenen nach draußen in die Dunkelheit tragen.

Marion Lindemann, Gemeindereferentin