St. Bonifatius Wiesbaden

Eucharistisch leben

Gemeindebrief, Theologie SpiritualitätPhilippe Jaeck

Serie: Die Messe verstehen – Eucharistisch leben (10)

Der heilige Augustinus erzählt in seinen Bekenntnissen von einer Vision vor seiner Bekehrung, in der Christus zu ihm sagte: „Ich bin die Speise der Starken, iss mich! Doch nicht du wirst mich in dich verwandeln, sondern ich werde dich in mich verwandeln.“ (Conf. 9,16). Diese Vision passt besonders zur Eucharistie. Hier wird zwischen der gewöhnlichen Speise und dem eucharistischen Brot unterschieden. Beim normalen Essen sind wir die Stärkeren: Wir nehmen die Nahrung auf und assimilieren sie in unseren Leib. Bei der göttlichen Speise hingegen ist Christus der Stärkere, der – entgegen dem äußeren Anschein – uns in sich aufnimmt und „einverleibt“: Er verwandelt uns in sich. Er macht uns zu Gliedern seines Leibes, der Kirche. Eucharistie baut Kirche auf. Er ist das Brot der Starken, das uns stark macht in Kraft seiner göttlichen Liebe, die uns trotz Anfechtungen und Herausforderungen Schritt für Schritt zu verwandeln vermag.

„Ich bin das Brot des Lebens … Mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.“ (Joh 6,48.55). In der großen Brotrede betont Jesus nicht nur seine wirkliche Gegenwart in der Eucharistie, sondern seine Wirksamkeit „für das Leben der Welt“ (6,51). Essen ist nie nur Selbstzweck – es ermöglicht, dass wir wirken, arbeiten, ja leben können. Ebenso ist die Eucharistie mehr als Ritus – sie ist Leben! Sie zielt auf unser Leben als Christinnen und Christen. Daher endet die Messe mit der erneuten Zusage seiner Gegenwart („Der Herr sei mit euch“), mit dem Segen und der Sendung: „Gehet hin in Frieden.“ Das lateinische Ite missa est bedeutet wörtlich „Geht, es ist Sendung/ Mission.“ Eucharistie zu feiern, motiviert dazu, eucharistisch zu leben.

Eucharistisch leben meint, dankbar zu sein. Es beinhaltet ebenso die Zuversicht, dass uns der Auferstandene nährt und eine Grundhaltung der Freude schenkt, die nicht vom Auf und Ab der Gefühle, Erfolg oder Misserfolg abhängt, sondern von seiner Nähe (vgl. Phil 4,4 f.).

Aus: Marco Benini, Brannte nicht unser Herz? Die Messe verstehen. Eucharistisch leben. Freiburg/Br: Herder 2024, S. 140f., In: Pfarrbriefservice.de