St. Bonifatius Wiesbaden

Auferstehung – Ein Feuerwerk des Lebens und der Freude!

GemeindebriefPhilippe Jaeck

Genau so beschrieb Papst Leo bei einer Generalaudienz im vergangenen Herbst die Auferstehung. Und genauso erleben wir es auch in unserer Osterliturgie: zum Gloria geht das Licht an, die Orgel zieht alle Register und die Glocken läuten. Ein wahrliches Feuerwerk.

Wenn wir in die biblischen Texte schauen, ist das aber scheinbar ganz anders. Da geschieht alles ganz leise – fast im Geheimen: Einzelne Erlebnisse, einzelne Begegnungen. Und so sprach auch Papst Leo davon, dass es aber zugleich „sanft, verborgen, in aller Demut“ geschehe. Wie passt das zusammen?

Schauen wir einmal genau hin: Ostern ist kein plötzliches Ereignis, wo Christus mit Glanz und Gloria vor allen erscheint. Eher wie die Morgendämmerung. Eben nicht so offensichtlich – nicht gleich erkennbar. Anders als es die Menschen erwartet hätten

Wo ist Auferstehung geschehen? Wo haben die ersten Christen den Auferstanden erlebt? Wo sind sie ihm begegnet?

Da sind die Frauen: Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome. Sie kommen mit wohlriechenden Ölen zum Grab, um die üblichen Trauerrituale zu vollziehen. Sie erweisen damit Jesus ihre Treue. Auch wenn sie sich eine Auferstehung nicht vorstellen können, suchen sie immer noch seine Nähe. Gerade weil sie seine Nähe suchen, dürfen sie als erste die Auferstehung erfahren. Aber sie haben nur den toten Leichnam erwartet – sonst nichts. So schreibt Lukas: „die Frauen erschraken und blickten zu Boden“. Sie konnten es nicht fassen. Markus schreibt sogar, „Schrecken und Entsetzen“ habe sie gepackt. Aber dann erinnern sie sich an seine Worte. Hier wird schon deutlich: Auferstehung kann man nur begreifen, wenn man sich an die Worte Jesu erinnert und seine Nähe sucht.

Ein weiteres Auferstehungserlebnis haben die Emmausjünger. Voller Entsetzen verlassen sie Jerusalem – regelrecht auf der Flucht. Aber sie schweigen sich nicht an. Sie schweigen nichts tot, sondern sie reden über all das, was passiert war. Sie teilen ihre Trauer, ihren Schmerz, ihre Hoffnungslosigkeit, ihre Enttäuschung. Und da, wo Menschen Trauer und Schmerz miteinander teilen, da ist er zugegen. Da geht er mit. Auch hier wieder keine leuchtende und laute Erscheinung. Kein Gloria, kein Glockengeläut. Nein – da geht einfach einer mit. Einer, der zuhört. Einer, der nachfragt: Was ist geschehen? Aber auch einer, der das Geschehene in ein anderes Licht rückt. Der ihnen die Augen öffnet für die größeren Zusammenhänge, für die biblischen Verheißungen. Und einer, der mit ihnen das Abendmahl feiert. Da wird Ostern – Auferstehung erlebt.

Papst Leo beschreibt es so: „Und dann ist auf einmal alles klar: der gemeinsame Weg, das zärtliche und starke Wort, das Licht der Wahrheit... Sofort kehrt die Freude zurück, neue Kraft fließt in die müden Glieder, die Erinnerung verwandelt sich wieder in Dankbarkeit. Und die beiden kehren eilig nach Jerusalem zurück, um den anderen alles zu erzählen.“

Da wo Menschen Freude und Leid teilen, wo sie alles im Lichte des Evangeliums betrachten und miteinander das Mahl feiern, da geschieht Auferstehung.

Genauso geschieht Ostern bei denen, die sich ängstlich eingeschlossen haben. Aber auch sie bleiben nicht stumm. Sie sprechen über die schmerzhaften und die hoffnungsvollen Erlebnisse: über das, was in Emmaus geschah, über das Erlebnis der Frauen. Mitten in diese Spannung zwischen absoluter Verzweiflung, Angst und den Zeichen der Hoffnung und der Auferstehung, sprengt Jesus Christus regelrecht die Mauern der Angst und Zweifel und tritt durch sie hindurch. Und das lässt uns erahnen, wie nahe er uns ist, wenn wir ganz eingeschlossen sind von Mauern der Hoffnungslosigkeit, der Verzweiflung und der Angst in so vielen Lebenssituationen.

Und es dauert nur noch 50 Tage und sie treten ohne Angst auf die Straße und erzählen von Jesus Christus. Und sie ziehen los in die Welt, um von seiner Auferstehung zu berichten. Das ist dann wahrlich gleich einem „Feuerwerk des Lebens und der Freude“.

Da wo Menschen die Liebe Gottes verkünden, wo andere durch Wort und Tat die Liebe Gottes erfahren dürfen – da ist Auferstehung erkennbar.

Und noch einen wichtigen Hinweis finden wir bei Markus 16, 7: Da spricht der Engel zu den Frauen am Grab: „Nun aber geht und sagt seinen Jüngern und dem Petrus: er geht Euch voraus nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es Euch gesagt hat“.

Galiläa war der Ort, wo alles begann. Der Ort, wo er seine Jünger in seine Nachfolge rief. Man könnte sagen „back to the roots“ – zurück zu den Wurzeln. Auch da geschieht Auferstehung und Begegnung mit dem Auferstanden – da wo wir uns auf unsere Wurzeln besinnen.

Nein – die Auferstehung war nicht der große Knall, das große Lichtereignis. Aber das, was dort mit den einzelnen Menschen geschehen ist, wie sie sich haben entzünden lassen von seiner Liebe und diese Liebe in die Welt getragen haben, das ist ein wahrlich wahres „Feuerwerk des Lebens und der Freude“

Gemeindereferent Andreas Schuh

Fotos: Sylvio Krüger und Jürgen Damen / pfarrbriefservice.de