St. Bonifatius Wiesbaden

Neues vom Chor aus St. Andreas: Missa de Angelis – Tradition neu gehört

Gemeindebrief, Musik Kultur KirchePhilippe Jaeck

1. Ein Blick auf das Werk

Die „Missa de Angelis“ von Wolfram Menschick (1937 bis 2010) steht in einer langen kirchenmusikalischen Tradition. Ihr Ausgangspunkt ist der gleichnamige gregorianische Messgesang, der zu den bekanntesten und bis heute am häufigsten gesungenen Ordinariumsgesängen gehört. Die Bezeichnung Missa de Angelis – „Engelsmesse“ – verweist auf die festliche und besonders klangvolle Tradition dieser Messe.

Menschick greift die überlieferten gregorianischen Melodien auf und überführt sie dialogisch in eine mehrstimmige chorische Gestaltung. Dabei wird die einstimmige Melodie zum Ausgangspunkt für einen eigenständigen, farbigen Chorsatz. Die charakteristischen Linien des gregorianischen Gesangs bleiben auch im 4-stimmigen Satz erkennbar und bilden das musikalische Fundament.

Gerade diese Verbindung macht den besonderen Reiz der Komposition aus: jahrhundertealte Musik begegnet einer jüngeren, mehrstimmigen Tonsprache. Der Choral wird dabei nicht ersetzt, sondern durch die Mehrstimmigkeit in einen größeren klanglichen Raum gestellt. Menschicks Komposition zeigt beispielhaft, wie musikalische Tradition bewahrt und zugleich neu interpretiert werden kann.

2. Aus der Sicht des Chorleiters

Die Verbindung von Vertrautem und Neuem macht die Missa de Angelis für mich in der Arbeit mit dem Chor von St. Andreas besonders interessant.

Wahrscheinlich kennen viele von Ihnen die Melodien aus dem Gottesdienst. Wenn wir nun in den Proben an Menschicks Fassung arbeiten, begegnen wir diesen vertrauten Melodien zunächst ganz neu: Wir erleben, wie sich um sie herum nach und nach ein vielstimmiger Klang entwickelt.

Für mich als Chorleiter ist es spannend zu beobachten, wie aus den einzelnen Stimmen ein gemeinsamer musikalischer Ausdruck entsteht. Gerade bei dieser Messe wird deutlich, dass Tradition nichts Starres sein muss. Eine Melodie, die seit Jahrhunderten gesungen wird, kann auch heute noch überraschen, wenn man sie aus einer anderen Perspektive hört.

So ist die Missa de Angelis für mich mehr als nur ein weiteres Werk auf dem Probenplan. Sie ist eine Einladung, Bekanntes neu zu entdecken und zugleich einen Teil der großen Tradition unserer Kirchenmusik lebendig weiterzuführen.

3. Sakrale Musik auf der Theaterbühne?

Im Zusammenhang von „Musik neu Entdecken“ ergibt sich momentan eine ganz andere Perspektive auf sakrale Musik in meiner Tätigkeit als Gastdirigent am Staatstheater Wiesbaden und am Staatstheater Darmstadt. Gemeinsam mit dem Hessischen Staatsballett arbeite ich an der Ballettproduktion „Silent Echo“, die mich als Dirigenten auch auf die Bühne der beiden Großen Häuser führt.

Bemerkenswert ist dabei die Inspiration durch sakrale Musik. Mit der Kyrie-Vertonung aus „The Spheres“ von Ola Gjeilo und Arvo Pärts „Da pacem Domine“ finden sich Werke im Programm, die eine geistliche Klangwelt in den Kontext des zeitgenössischen Balletts stellen. Ein Vokalensemble in 16-köpfiger Besetzung wird dabei Teil dieser besonderen Verbindung von Musik, Bewegung und Raum sein.

Für mich ist es spannend, sakrale Musik einmal aus diesem ungewohnten Blickwinkel zu erleben – und vielleicht zeigt sich gerade hier, wie unmittelbar und inspirierend ihre Klangsprache auch außerhalb des Kirchenraums sein kann.

Herzliche Einladung, mich bei dieser besonderen Begegnung von Kirchenmusik, Tanz und Theater einmal in einem ganz anderen Kontext zu erleben!

Herzliche Einladung zum Mitsingen in St. Andreas!

Wir proben mittwochs um 19:30 Uhr im Saal von St. Andreas

Kontakt bei Fragen:

Chorleiter Thomas Höpp
0179 / 237 76 25
t.hoepp@bonifatius-wiesbaden.de