St. Bonifatius Wiesbaden

Leben

„Kinderwunsch. Wunschkind. Unser Kind!“

Aufsuchende Seelsorge, Theologie Spiritualität, GemeindebriefPhilippe Jaeck

In der Woche für das Leben sind „Schwangerschaft und Pränataldiagnostik im Fokus

Kennen Sie die Initiative „Woche für das Leben“? Diese gibt es bereits seit 20 Jahren. Die Aktion wurde von der katholischen und evangelischen Kirche gegründet, um mehr Bewusstsein für die Würde menschlichen Lebens zu schaffen. Dieses Jahr findet die Woche für das Leben vom 14. bis 21. April 2018 statt. Das Thema in diesem Jahr ist „Schwangerschaft und Pränataldiagnostik“.

Wie empfindlich die Phase einer Schwangerschaft ist, können Eltern sicherlich ganz genau sagen. In solch einer Zeit von der Empfängnis bis zur Geburt eines Kindes gibt es mancherlei Höhen und Tiefen. Bei der Frau geht es schon mit der Frage los, bin ich schwanger? Wenn ja, was ist zu beachten? Schaffen wir das als Eltern? Welche Veränderungen kommen auf uns zu? Was müssen wir tun, damit es unserem Kind von Beginn an gut geht? Diese und weitere Gedanken beschäftigen die werdende Mutter und den werdenden Vater sehr. Das Ganze wird von vielen ambivalenten Gefühlen begleitet, wie zum Beispiel Angst, Unsicherheit und Freude.

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Ergänzend werden aus dem sozialen Umfeld viele Ideen und Informationen an die werdenden Eltern herangetragen. Dazu gehört auch die Schwangerenvorsorge. Für die Eltern wird so sukzessive immer spürbarer, wie sich deren Verantwortungsrahmen für ihr eigenes Leben durch ihr ungeborenes Kind erweitert. Wenn das soziale Gefüge stabil ist, versuchen die werdenden Eltern mit Hilfe ihrer Angehörigen, Freunde, dem Arzt und, wenn möglich, auch mit einer Hebamme, eine solide Basis zu schaffen, um für einen guten Verlauf der Schwangerschaft zu sorgen. So hofft man dann gemeinsam auf ein gesundes Kind.

Dazu geben werdende Eltern ihr Bestes, damit es ihrem Kind gut gehen möge. Sie bemühen sich nach ihrem Vermögen sehr, sich ein gutes Grundwissen anzueignen, um auf alles in der Schwangerschaft und auch auf die Zeit danach vorbereitet zu sein. Für die gesundheitlichen Belange des Kindes und der werdenden Mutter ist eine gute Begleitung des Arztes von großer Bedeutung. Es ist wichtig, zu ihm eine gute Vertrauensbasis zu haben.

Der Arzt führt die durch die Krankenkassen finanzierten Regeluntersuchungen innerhalb der Schwangerenvorsorge durch. Er berät die Eltern dazu. Die angewendeten Untersuchungsverfahren gehören in den Bereich der sogenannten Pränataldiagnostik. Darunter gibt es Untersuchungen, die über den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen hinausgehen. Sie wurden im Rahmen besserer Medizintechnik entwickelt, um den Gesundheitszustand des Fötus’ näher bestimmen zu können. Dazu zählen insbesondere invasive, aber auch viele nicht-invasive Untersuchungsmethoden. Bei invasiven Untersuchungsmethoden greift man in den Körper der Frau ein, um Gewebeproben zu entnehmen, die etwas über die Gesundheit des Kindes zeigen können. Dazu gehört zum Beispiel die Fruchtwasseruntersuchung. Invasive Verfahren kommen erst zum Einsatz, wenn es vorher einen auffälligen Befund gegeben hat, denn sie bringen zum Beispiel das Risiko einer Fehlgeburt mit sich.       

Bei nicht-invasiven Verfahren greift man nicht in den Körper der Frau ein. Dazu zählen die Regeluntersuchungen mittels Ultraschall sowie die Urin- und Bluttests. Darüber hinaus kann man mit Präzisionsgeräten, wie einem Doppler-Ultraschall, genauere Bilder des ungeborenen Kindes erzeugen. Zudem kann beispielsweise ein genetischer Bluttest gemacht werden, bei dem aus dem Blut der Frau Spuren des kindlichen Erbgutes extrahiert werden. Sie werden benutzt, um zu sehen, ob bei dem Kind eine Chromosomen-Abweichung vorliegen könnte. Ob das Kind eine Trisomie 13, eine Trisomie 18 oder eine Trisomie 21 (Down-Syndrom) hat oder nicht, kann bei solch einem Bluttests mit einer 98-prozentigen Wahrscheinlichkeit gesagt werden. Wie beeinträchtigt das Kind ist, lässt sich anhand des Tests jedoch nicht sagen. Damit sind die Angaben, die der Test über die Gesundheit des Kindes gibt, ohne Anschlussuntersuchungen wenig aussagekräftig. Dies ist nicht nur bei diesem Test so, sondern auch bei anderen, die nicht zu den  Regeluntersuchungen gehören.

Ohne ausführliche psychosoziale Beratung und ohne weiterführende Untersuchungen sorgen viele Tests, die innerhalb der Pränataldiagnostik gemacht werden, für Unsicherheit bei den Eltern. Tatsächlich hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2006 in ihrer Studie dazu festgestellt, dass besonders der Aspekt der adäquaten Aufklärung beim Arzt oft fehlen würde. Damit bleiben Eltern sowohl mit den unbestimmten Aussagen solcher Tests als auch mit der Sorge um ihr ungeborenes Kind alleine, obwohl sie diese Untersuchungen nicht hätten machen müssen. Viele werdende Eltern sind besonders deshalb verunsichert, weil sie vor einem Leben mit einem beeinträchtigten Kind Angst haben. Wenn sie ein entsprechendes Untersuchungsergebnis, aber keine Idee haben, wie so ein Leben mit beeinträchtigtem Kind aussehen kann und welche Unterstützung es gibt, dann bleibt die Frage, ob die Schwangerschaft nach Paragraph 218 a Strafgesetzbuch medizinisch indiziert abgebrochen werden kann.  Das ist dann eine echte Krisensituation und mit viel Leid für die Familie verbunden.

Diese Problemstellung verschärft sich nochmal besonders, weil man nun diskutiert, ob der genetische Bluttest, der sehr früh im Verlauf der Schwangerschaft gemacht werden kann, von den Krankenkassen eventuell in den Katalog der Regeluntersuchungen mit hineingenommen werden soll. Der Grund ist: Der Test ist einfach und kostet nicht viel. Ob damit eine verbesserte psychosoziale Beratung einhergeht, bleibt fraglich. Unter dem Strich bedeutet dies, dass systematisch die ungeborenen Kinder selektiert würden, die eine Beeinträchtigung haben. Damit ist der Lebensschutz ungeborenen Lebens bedroht, weil die Option eines Schwangerschaftsabbruches nach medizinischer Indikation im Verhältnis zum Leben mit beeinträchtigtem Kind sehr wahrscheinlich oft gewählt wird, und das besonders, wenn die geeignete Beratung fehlt.

Die Initiatoren der „Woche für das Leben“ sprechen sich gegen diese Entwicklung aus. Sie fordern zu Recht, dass man den Einsatz von Pränataldiagnostik gut reflektiert. Auch fordern sie eine verbesserte psychosoziale Beratungs- und Unterstützungsstruktur für werdende Eltern. Es gibt bereits Beratungsangebote, so zum Beispiel jenes der Katharina Kasper-Stiftung, zu deren Gründung Herr Bischof Prof. Dr. Franz Kamphaus seinen Beitrag geleistet hat. Die Mitarbeiter der Stiftung beraten zur Pränataldiagnostik, zu Behinderungen und zum Kindesverlust. Solche Angebote müssten ausgebaut und mit gynäkologischen Praxen vernetzt werden, um werdenden Eltern besser zur Seite zu stehen, damit der Schutz menschlichen Lebens vollumfänglich gewährleistet ist. Als Christen sind wir gefordert, uns in der Gesellschaft dafür einzusetzen, denn unser Glaube zeigt uns, dass jedes menschliche Leben seine eigene Würde hat und wertvoll ist. Wir sind zudem aufgefordert, die Hoffnung, die unser Glaube mit sich bringt, an werdende Eltern weiterzugeben, damit sie Kraft schöpfen und vertrauen können.   

Carola Müller, Gemeindereferentin