St. Bonifatius Wiesbaden

Fronleichnam

Theologie Spiritualität, Gesichter der PfarreiBenjamin Dahlhoff

Ein Fest, das uns in Bewegung bringt

Immer am zehnten Tag nach Pfingsten, einem Donnerstag, feiert die Kirche das „Hochfest des Leibes und Blutes des Herrn“ oder kurz Fronleichnam. Das Wort Fronleichnam ist ein ganz altes deutsches Wort, bedeutet schlicht „Herrenleib“ und ist damit eine alte Bezeichnung für den Leib Christi, also die in der heiligen Messe verwandelte Hostie. Diese wird dann in der Monstranz, einem Schaugefäß, den Gläubigen zur Verehrung gezeigt (monstrare lat. zeigen) und zum Segen in einer Prozession durch die Straßen getragen. 

Videobeitrag über Fronleichnam von RheinMainTV. Pfarrer Gras erklärt im Interview die Bedeutung von Fronleichnam.

Die Fronleichnamsprozession bringt uns so buchstäblich in Bewegung. Alle sind in ihrer Verschiedenheit auf diese Weise mit Jesus unterwegs, alt und jung, arm und reich, Gesunde und Kranke, Menschen der verschiedensten Nationalitäten und Kulturen. Der Glaube bringt sie alle zusammen, als das Volk Gottes, als Volk aus allen Völkern in der Buntheit der Gaben und Charismen, die ihm geschenkt sind. Die Fronleichnamsprozession will uns beweglich machen: Indem wir uns hier unter den Segen Gottes stellen, sollen wir uns auch im Alltag aufmachen, um selbst zum Segen zu werden für die Menschen, die uns im Leben anvertraut sind.

Vertreter der katholischen Verbände und Einrichtungen tragen ihre Banner während der Fronleichnamsprozession.

Vertreter der katholischen Verbände und Einrichtungen tragen ihre Banner während der Fronleichnamsprozession.

Dabei hat das Fronleichnamsfest eine doppelte Herkunft: Der Ursprung des Festes liegt im Geschehen des Gründonnerstages, also im Abendmahl, das Jesus mit den Aposteln am Tag vor seinem Tod am Kreuz gefeiert hat. Darum wird Fronleichnam auch immer an einem Donnerstag gefeiert. Jesus nahm Brot und Wein, sprach den Lobpreis und gab die Gaben den Jüngern mit den Worten „Das ist mein Leib“ und „Das ist mein Blut“. Hierin nimmt Jesus vorweg, was wenige Stunden später am Kreuz sichtbar wird: Jesus gibt sein Leib und Blut hin. Das hat Folgen: Denn da nun durch Jesu Sterben Gottes Gegenwart bis in den Abgrund des Todes reicht, ist der Tod besiegt. Christus, das Licht der Welt, ist in die Finsternis des Todes hinuntergestiegen und hat alle Dunkelheit vertrieben. Das Kreuz wird zum Ausgangspunkt des Lebens und so wahrhaft zum österlichen Zeichen der Erlösung: Durch Christi Tod und Auferstehung steht dem Menschen die Ewigkeit Gottes offen. 

Darum sind die Jünger nach Ostern immer am Tag der Auferstehung Jesu, also am Sonntag, zusammengekommen, um Eucharistie zu feiern und so dem Auftrag Jesu aus dem Abendmahlssaal zu folgen: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Von Anbeginn der Christenheit gehörte es zur Mitte des Glaubens, dass in der Feier der Eucharistie Brot und Wein durch das Gebetswort des Priesters verwandelt werden in den Leib und das Blut Christi. Diese Überzeugung, die zum Ursprung des christlichen Glaubens gehört, wurde von Anfang an immer wieder erklärt und verteidigt: So zum Beispiel in einer Schrift des Kirchenvaters Justin (+ um 165), den man als „Enkel“ der Apostelgeneration beschreiben könnte: „An der Eucharistie darf nur teilnehmen, wer glaubt. Denn nicht wie gewöhnliches Brot und gewöhnlicher Trank empfangen wir diese Gaben. Es verhält sich vielmehr so: Jesus Christus, unser Erlöser, ist durch das Wort Gottes Fleisch geworden und hat Fleisch und Blut zu unserem Heil angenommen. In gleicher Weise wird auch durch eine Gebetsrede, die von ihm kommt, diese Nahrung zur Eucharistie. Und diese Nahrung ist Fleisch und Blut des fleischgewordenen Jesus.“ Ähnlich sagt es später auch der Kirchenvater Cyrill (+386): „Wir haben gelernt und die sichere Überzeugung gewonnen: Was Brot zu sein scheint, ist nicht Brot, auch wenn es so schmeckt, sondern es ist der Leib Christi. Was Wein zu sein scheint, ist nicht Wein, auch wenn es der Geschmack so will, sondern das Blut Christi.“ 

Der zweite Grund für das Fronleichnamsfest liegt im 13. Jahrhundert. Der Gründonnerstag hat, weil er in der Karwoche mit ihrem eigenen Gepräge liegt, der Kirche allein nicht mehr ausgereicht, um den Glauben an die Gegenwart Jesu in der Eucharistie zu betonen. Und so wurde 1264 durch den Papst Fronleichnam als eigenes Fest für die ganze Kirche eingeführt. 

Der große Gelehrte des Mittelalters, der hl. Thomas von Aquin, wurde beauftragt Gebete und Hymnen für dieses Fest zu verfassen. So singen wir in einem seiner Lieder: „Treu dem heiligen Befehle / wandeln wir zum Heil der Seele / in sein Opfer Brot und Wein. / Doch wie uns der Glaube kündet, / der Gestalten Wesen schwindet, / Brot und Wein wird Fleisch und Blut.“

So kommt es nicht von ungefähr, dass vor über 50 Jahren das Zweite Vatikanische Konzil die Eucharistie in die Mitte aller kirchlichen Erneuerung gestellt hat, wenn es festhält, dass die Feier der Eucharistie Quelle und Höhepunkt allen kirchlichen Lebens ist. Genau das feiern wir am Fronleichnamsfest.

Dieses Jahr: Großes Pfarrfest

Dieses Jahr bringt uns Fronleichnam in unserer Pfarrei Sankt Bonifatius noch in einer ganz anderen Weise in Bewegung. Bisher haben wir nach dem Gottesdienst und der Prozession immer einen Frühschoppen hinter der Kirche gehabt. Dieses Jahr wird zum ersten Mal ein gemeinsames Pfarrfest aller Kirchorte gefeiert mit Speis und Trank, Pommes und Eis, Kaffee und Kuchen, Kinderprogramm mit Hüpfburg, Musik und Begegnung und und und… Herzliche Einladung an alle!

Klaus Nebel, Pfarrer