Die Feier von Leiden, Sterben und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus
„Hosianna” und „Kreuzige ihn” – das Vorspiel
Die Heilige Woche wird durch das Vorspiel des Dramas, den Palmsonntag, eröffnet.
Die Feier ist geprägt vom Kontrast des Jubels beim Einzug in Jerusalem (daher der Name des Festes) und dem Ruf „Kreuzige ihn“ der Passion. Deshalb ist die Feier quasi zweigeteilt.
Sie beginnt, wenn möglich, im Freien, vor der Kirche. Zum Evangelium vom Einzug in Jerusalem werden grüne Zweige (in der Regel Buchsbaumzweige) gesegnet, zur Erinnerung an die Palmzweige der jubelnden Menge. „Singt dem König Freudenpsalmen", so ziehen wir jubelnd in die Kirche. Doch danach bricht die Stimmung. Der Wortgottesdienst ist geprägt von der Verlesung der Passion. Jährlich wechselnd, je nach Lesejahr, jeweils nach Matthäus, Markus oder Lukas. Zur besseren Aufnahme der langen Texte hat sich die Tradition entwickelt, mit verteilten Rollen zu lesen: Der „Evangelist“ liest den Text, „Sonstige Stimme“ alle gesprochenen Worte außer der von Jesus, diese spricht in der Regel der Priester oder der Diakon. Gesänge können zur „Kommentierung“ des Geschehens die Gemeinde beteiligen.
Der Dreiakter
Es ist ein einziges liturgisches Drama, das mit dem Gründonnerstag beginnt und über den Karfreitag bis in die Osternacht reicht.
Dass es sich eigentlich um einen einzigen Gottesdienst handelt, erschließt sich nicht so direkt. Es liegen jeweils viele Stunden dazwischen und oft gelingt es nicht mehr, an allen Teilen des Ganzen teilzunehmen.
„Tut dies zu meinem Gedächtnis“ – der erste Akt
Die Liturgie des „Triduums“ der „drei österlichen Tage“ beginnt mit dem Gedächtnis des Letzten Abendmahls, der Einsetzung der Eucharistie.
Die Feier beginnt, wenn man so sagen will, wie immer. Zum Gloria braust die Orgel auf, läuten die Glocken, erschallen die Schellen der Ministranten. Danach wird es still, Orgel, Glocken, Schellen erklingen nicht mehr!
Nur die menschliche Stimme wird zu hören sein. In manchen Gegenden werden jetzt Klappern oder Ratschen eingesetzt. Nichts in dieser Zeit ist ohne Bedeutung.
Der Jubel zum Gloria und das folgende Schweigen ist das Scharnier, welches diese Feier mit der Osternacht verbindet, wenn dann mit dem Gloria wieder Orgel, Glocken und Schellen erschallen.
Neben dem Gedächtnis der Eucharistie wird im Evangelium auch eines weiteren, wenn auch inoffiziellen Sakraments gedacht: dem „Sakrament der Nächstenliebe” – die Fußwaschung (Papst Franziskus). Mancherorts wäscht nach der Predigt der Priester Menschen die Füße. Die Messe vom letzten Abendmahl endet ganz bewusst offen, es wird kein Segen erteilt, das Allerheiligste wird, wenn möglich, an einen anderen Ort, z.B. eine Seitenkapelle gebracht. Der Tabernakel in der Kirche bleibt offen, der Altar wird völlig abgeräumt. Einzig das Messgewand kann auf ihm abgelegt werden. Es können sich Anbetungsstunden am Ort der Aufbewahrung der Eucharistie, „Liturgische Nächte“ oder „Ölberggänge“ anschließen.
„Seht das Holz des Kreuzes“ – der zweite Akt
Am Karfreitag um 15 Uhr (Todesstunde Jesu) feiern wir den zweiten Akt des Dramas.
Die Liturgie vom Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus beginnt in völliger Stille. Wenn möglich, knien alle und die Beteiligten an der Liturgie legen sich vor dem Altar auf die Erde. Nach der Gebetsstille folgt gleich der Wortgottesdienst mit den Lesungen und der Passion. Am Karfreitag wird immer die Johannespassion gelesen.
Die „Großen Fürbitten“ nehmen Kirche und Welt hinein in das Erlösungsgeschehen. Die Form ist die eigentliche Weise für die Fürbitten: Zuerst wird das Anliegen der Bitte gesprochen oder gesungen. In der folgenden Stille kann jeder sich dieses Anliegen zu eigen machen im persönlichen Gebet. Das abschließende Gebet sammelt quasi alle persönlichen Gebete ein.
Höhepunkt der Feier ist die Verehrung des Kreuzes! Unter dem dreimaligen Ruf: „Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen – Kommt, lasset uns anbeten!“ wird ein Kreuz in die Kirche getragen und dann durch Kniebeuge, Verneigung, oder Berührung von allen verehrt.
Die Feier endet nach der Austeilung der Hl. Kommunion wieder in Stille.
(Man kann darüber diskutieren, ob die Kommunionfeier nicht entfallen sollte. Ein „Eucharistie Fasten“, das Warten auf die österliche Eucharistiefeier, entspräche mehr dem Charakter des Karfreitags und der Ausrichtung auf das Kreuz.)
Die große Pause
Der Karsamstag, der Tag der Grabesruhe, ein bewusst stiller Tag.
„Christus ist glorreich auferstanden“ – der dritte Akt
Die Feier der Osternacht ist ein Füllhorn der Symbole. Der Name der Feier zeigt schon, dass es entscheidend ist, im Dunklen zu feiern, in der Regel in der Nacht zum Ostersonntag, in St. Elisabeth am frühen Morgen.
Im Dunkel scheint nur das Licht eines Feuers vor der Kirche. Beim Feuer wird die Osterkerze bereitet und vom Feuer aus entzündet.
Hinter dem Symbol des Auferstandenen ziehen wir mit dem dreimaligen Ruf: „Lumen Christi – Deo gratias (Christus, das Licht – Dank sei Gott)“ in die dunkle Kirche. Nach dem zweiten Ruf wird das Licht von der Osterkerze an die Gläubigen verteilt, das Licht der Auferstehung verbreitet sich und vertreibt das Dunkel des Todes.
Es erklingt das „Exultet“, das große Lob der Osterkerze!
Im Schein des Auferstehungslichts blicken wir auf die Geschichte der Menschen mit unserem Gott: in den Lesungen aus dem Alten Testament. Von möglichen sieben Lesungen werden in der Regel mindestens drei gelesen. Die Lesung vom Durchzug durchs Rote Meer gehört immer dazu.
Mit dem feierlichen Gloria, jetzt wieder mit Orgel, Glocken und Schellen und bei vollem Licht, knüpfen wir wieder an den ersten Akt am Gründonnerstag an. Halleluja erklingt wieder zum Evangelium von der Auferstehung.
Osternacht ist der Taufgottesdienst!
Begleitet von der Allerheiligenlitanei zieht die Osterkerze zum Taufbrunnen und dort wird das Taufwasser geweiht. Dann wird die Taufe vollzogen. Wenn keine Taufe gefeiert werden kann, folgt sofort die Erneuerung des Taufversprechens aller.
Mit der Gabenbereitung beginnt dann die nun österliche Eucharistiefeier.
Am Ende der Feier können die Osterspeisen für die anschließende Agape oder das Osterfrühstück und für die häuslichen Feiern zuhause gesegnet werden. Denn wir feiern das Leben mit Leib und Seele!
Eine gesegnete Feier der Heilige Woche in unserer Pfarrei wünscht Ihnen allen
Pfr. Matthias Ohlig