St. Bonifatius Wiesbaden

Aufbruch im Glauben

Gemeindebrief, Theologie SpiritualitätBenjamin Dahlhoff

Pfingsten ist das Fest der Begeisterung

Pfarrer Klaus Nebel

Pfarrer Klaus Nebel

Es kann ein wunderbares Musikstück sein, ein besonders schönes Bild, ein Kunstwerk, es kann ein großartiges Erlebnis in der Natur sein, eine zündende Idee oder die Begegnung mit einem besonderen Menschen, was uns begeistert. Begeisterung hat immer mit der Freude über irgendetwas zu tun, einer Freude, die uns in Staunen versetzt, die dem Leben möglicherweise neuen Schwung gibt und neue Perspektiven eröffnet.

Pfingsten ist das Fest der Begeisterung. In der Bibel berichtet uns die Apostelgeschichte vom Pfingstereignis, bei dem der Heilige Geist auf die Apostel herabgekommen ist. Dort ist von einem gewaltigen Ereignis die Rede, von einem Sturmesbrausen und von Feuerzungen (Apg 2). Das Erfülltwerden vom Heiligen Geist, diese Begeisterung, befähigte die Apostel, so zu den Menschen zu reden, dass jeder sie in seiner Sprache verstehen konnte. Die Bibel berichtet weiter, wie alle Menschen staunten und außer sich waren. 

Wir können uns heute das Pfingstereignis kaum vorstellen. Hätte man nicht dabei sein müssen, um zu begreifen, was die Apostelgeschichte mit ihrem knappen Bericht über das Pfingstereignis beschreibt?

Etwas anderes aber ist für uns greifbar. Offensichtlich war dieses Pfingstereignis eine Initialzündung für etwas ganz Neues. Die Jünger waren Zeugen der Auferstehung Jesu geworden, doch ihren Glauben verkündeten sie in diesen ersten Tagen kaum. Pfingsten verändert dies. Pfingsten nimmt den Jüngern jede Menschenfurcht, lässt sie mutig hinaustreten und das Ostern Jesu vor aller Welt bezeugen. Dabei hätte man dieser jungen „Bewegung“ eigentlich keine Chancen ausrechnen können: Von allen denkbaren Seiten drohte die Verfolgung, ständig mussten junge Christen ihre Glaubensüberzeugung mit dem Tod bezahlen. Und diese Verfolgung, die in immer neuen Wellen über die Christen hereinbrach, dauerte schließlich die ersten dreihundert Jahre an. Eine so bedrohte Glaubensgemeinschaft, die dazu noch vollkommen mittellos war, hatte nach menschlichem Ermessen keine Chance, überhaupt irgendeinen nennenswerten Platz in der Geschichte zu bekommen. 

Wir wissen heute, dass es ganz anders kam. Wider alle ungünstigen Umstände breitete sich „der neue Weg“ des Glaubens an den gekreuzigten und auferstandenen Christus rasend schnell in der damals bekannten Welt aus. Und der Ausgangspunkt für diese überraschende Entwicklung war Pfingsten! So können wir heute sagen, dass niemand die Welt so sehr verändert hat und verändert wie Jesus Christus. Von seinem Heiligen Geist entzündet sind zahllose Menschen aufgebrochen, haben sich in den Dienst des Evangeliums gestellt, damit die neue Welt Gottes schon im Hier und Heute anbricht mit ihrer Botschaft von der Liebe, der Vergebung und vom Leben. Christus ist der Ausgangspunkt dafür, der Heilige Geist die Kraft, in der es geschieht. Pfingsten bringt so das Ostern Jesu zu den Menschen.

Dabei ist Pfingsten nicht ein Ereignis bloß der Vergangenheit. Es ist der Geist Gottes, der uns Christen zu allen Zeiten antreibt, das Evangelium zu leben und zu bezeugen. Wie viele Gläubige – auch in unseren Gemeinden – bringen auf ihre Weise, mit ihren Fähigkeiten und Charismen die heilende Botschaft des Glaubens zu den Menschen unserer Zeit: in der Weitergabe des Glaubens, im Dienst an den Armen und mit ihrem Gebet! 

Nicht die widrigsten Umstände können den Heiligen Geist aufhalten. Öffnen wir uns immer wieder neu für dieses überraschende Wirken des Heiligen Geistes, damit wir selbst zur heilsamen Überraschung für unsere Welt und unsere Zeit werden.

Klaus Nebel, Pfarrer