St. Bonifatius Wiesbaden

Gründonnerstag

Theologie SpiritualitätBenjamin Dahlhoff

„Du, Herr willst mir die Füße waschen (Joh 13,6)?“

Am Gründonnerstag erinnern wir uns in der Liturgie in besonderer Weise an das Letzte Abendmahl, welches Jesus vor seiner Verhaftung im Kreise seiner Jünger gefeiert hat. Zu Beginn dieses Festmahls lädt Jesus seine Jünger ein, sich von ihm die Füße waschen zu lassen.
Für uns heute etwas Besonderes, die wir festes Schuhwerk gewohnt sind. Fußwaschungen kommen in unserem Alltag nicht mehr vor. Zur Zeit Jesu gab es allerdings noch keine geschlossenen Schuhe, sondern nur offene Sandalen. War man als Gast in einem Haus eingeladen, bekam man deshalb vor dem Essen als Zeichen der Gastfreundschaft erst einmal die schmutzigen Füße gewaschen. Das hatte vielleicht auch damit zu tun, dass man früher zu Tische lag und nicht saß, so dass die verschmutzten Füße sich sozusagen auf Augenhöhe der anderen Mahlteilnehmer befunden hätten.

Dass Jesus vor der Feier des Paschamahls seinen Jüngern die Füße wäscht, ist vor diesem Hintergrund also gar nicht ungewöhnlich. Auf der anderen Seite jedoch schon, weil sich die Rollen völlig verkehren. Denn hier wäscht plötzlich der Meister seinen Schülern die Füße, obwohl es doch eigentlich anders herum sein müsste. Normalerweise wurde das Waschen der Füße bei einem Festmahl nämlich nicht vom Gastgeber, sondern von einem seiner Diener, also einem Sklaven, übernommen. Indem Jesus seinen Jüngern selbst die Füße waschen möchte und damit einen Sklavendienst übernimmt, stellt er die normale gesellschaftliche Ordnung völlig auf den Kopf.

Da  ist es nur allzu verständlich, dass Petrus die Zeichenhandlung seines Herrn zunächst als Zumutung empfindet und am liebsten ablehnen möchte. Er fragt Jesus entsetzt: „Du Herr, willst mir die Füße waschen (Joh 13,6)?“ Für Petrus ist das zu viel des Guten. Der von ihm so angesehene Jesus  will sich klein machen wie ein Diener?  Jesus will sich wie ein Sklave erniedrigen, um Petrus groß werden zu lassen? Es fällt Petrus schwer, das zuzulassen. Indem Petrus diesen Dienst an sich geschehen lässt, muss er nämlich gleichzeitig  die Zuwendung annehmen, die in dieser Geste verborgen liegt: Er ist konfrontiert mit einer  Liebe, die so stark und unbegreiflich ist, dass sie sich hingibt und verschenkt ohne an Bedingungen gebunden zu sein.

Diese Liebe schenkt Jesus seinen Jüngern im Abendmahlssaal, obwohl oder vielleicht sogar gerade weil er weiß, dass ihn einer aus der Runde nach dem Essen verraten wird. Dennoch steht Jesus zu seiner Liebe. Sein JA wird er auch Petrus gegenüber nicht zurück nehmen, wenn dieser ihn nach seiner Verhaftung dreimal verleugnen wird. Nicht nur für die Jünger damals, sondern auch für uns heute unbegreiflich. So groß ist also die Liebe Gottes!

Ich kann verstehen, dass Petrus da erst einmal seine Zeit braucht, um diese Liebe wirklich annehmen zu können. Es passiert einem ja auch nicht jeden Tag, sich so angenommen zu wissen. Das ist so groß, geht so unter die Haut, dass eine solche Liebe zunächst auch Angst machen kann.
Wenn ich mich aber wie Petrus dieser Angst stelle und es wage, mich mutig auf die Liebe Jesu einzulassen, kann ich gar nicht anders, als auf diese Liebe voller Freude zu antworten, indem ich sie auch an andere weiter verschenke! Vielleicht ist es genau das, was Jesus seinen Jüngern am Ende des Abendmahls mitgeben möchte, wenn er sagt: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen (Joh 13,14) .“

Stephanie Hanich, Pastoralreferentin