St. Bonifatius Wiesbaden

Heiligabend

Theologie SpiritualitätBenjamin Dahlhoff

Über einen Abend voll Erwartungen und Gefühlen

Wenn die alltägliche Routine am Heiligen Abend und den Weihnachtstagen für kurze Zeit unterbrochen wird, öffnen sich Menschen für eine andere Dimension. Kein Abend, keine Nacht im Jahr ist so gefüllt mit Erwartungen und Gefühlen, ja mit Sehnsucht, wie der Heilige Abend. An diesem Abend dürfen wir Gefühle zulassen und daran glauben, dass es eine gute und heile Welt geben könnte. Zahlreiche Geschichten zur Weihnachtszeit erzählen von der wundersamen Wandlung eines alten Geizhalses in einen Wohltäter, von einem Einsamen, der unerwartet aufgenommen wird in eine Gemeinschaft, von einem Kind, das durch Schnee, Nacht und Gefahr nach Hause findet. 

Was hören wir in der Bibel in dieser Nacht? Das Matthäus- Evangelium (Mt 1,1- 25) berichtet nüchtern von der Abstammung Jesu bis zu König David und Stammvater Abraham und von der familiären Situation vor Jesu Geburt. Maria, seine Mutter, war schwanger durch das direkte Eingreifen Gottes. Ihr Verlobter Josef beschließt, sich in dieser prekären Situation von ihr zu trennen. 

Doch im Traum erscheint Josef ein Engel, der ihm die ungeklärte Situation deutet und ihn auffordert, Maria und das Kind zu sich zu nehmen. Der Engel öffnet Josef die Augen: alles, was hier geschieht, ist im Einklang mit den Zusagen Gottes. Durch den Propheten Jesaja hatte Gott versprochen, seinen Sohn zu den Menschen zu senden in eine Welt, die geprägt ist von Not und Krieg. 

Josef öffnet sich dieser „anderen Dimension“. Er ist bereit, die Umstände seines Lebens in einem neuen Licht zu sehen – nicht aus seiner Sicht, sondern aus dem Blickwinkel Gottes. Diese neue Sicht verändert sein Leben und das seiner künftigen Familie. Vielleicht schenkt Weihnachten 2015 uns die Chance einem Engel zuzuhören und darin Gottes Stimme zu erkennen. 

Marion Lindemann

Bild: Weihnachtskrippe in St. Bonifatius, Aufnahme von 2012, Foto: Benjamin Dahlhoff