St. Bonifatius Wiesbaden

Lebe lieber ungewöhnlich

GemeindebriefBenjamin Dahlhoff
Kaplan Simon Schade

Kaplan Simon Schade

In unserem geschäftigen Wuseln und Werken, Suchen und Arbeiten kann man den Eindruck gewinnen, dass wir immer im Kreis laufen: Schon wieder Fasching? Die Fastenzeit schon wieder vor der Tür? Ist bald wieder Ostern? Weihnachten kommt aber auch immer näher… Drehen wir uns also immer nur um uns selbst und kommen, statt einen Schritt weiter zu sein, am Schluss immer nur an den gleichen Punkten wieder heraus?

Diesen Vorwurf des im Kreis Trottens kann man besonders leicht uns Christen machen: „Ihr habt doch Euer Kirchenjahr, da ist alles immer gleich, wieder und wieder nur der gleiche Ablauf!“ Und dass wir unsere wiederkehrenden Feste haben, da ist durchaus etwas dran: Wir können mit Sicherheit sagen, dass wir garantiert auch 2014 wieder Ostern, Pfingsten und Weihnachten feiern werden. Kann man daher aber ableiten, dass wir ein geordnetes, gewöhnliches und gleichförmiges, um nicht zu sagen langweiliges Leben als Christen führen?
Wäre jedes Fest, wäre jede geprägte Zeit gleich, würden wir jedes Mal einen Einheitsbrei als Gottesdienst feiern, dann wäre das vielleicht ein berechtigtes Merkmal von uns Christen. Aber allein schon die ganz unterschiedlichen Stimmungen der Feste, vom Trauern an Karfreitag bist zur Begeisterung an Pfingsten, vom Verzichten bis zum Überschwang, von der Stille bis zum Jubel, zeigen, dass die ganze Klaviatur der Emotionen zu unserem christlichen Leben gehört. Im Gegensatz zum „Alltagsmensch“, der unsere Feste nicht kennt und unseren Weg nicht mitgeht, prägen diese Feste unseren Weg durch das Jahr. Es gibt Gewohnheiten, aber eine allgemeine Gewöhnlichkeit gibt es dadurch nicht; während manche andere jeden Tag wie den anderen leben, begleiten uns diese sich immer ändernden Stimmungen und sorgen dafür, dass wir uns nicht an eine Stimmung gewöhnen, sondern immer weiter auf unserem Weg bleiben.

Aber auch sonst kann man nicht davon reden, dass unser Christentum etwas Gewöhnliches ist. Wir haben in der letzten Zeit teils schmerzlich, teils mit neuer Hoffnung erfahren, dass in unseren Gemeinden neue Wege beschritten werden und sich in allen Bereichen der Wiesbadener Kirche einiges bewegt, um den Glauben zugleich bewahren und neu verkünden zu können. Wir erleben, dass die Zahl der Christen zwar weniger werden, aber die Schar derer, die kommen, um so entschiedener Christen sind, weil es eben immer ungewöhnlicher wird, Christ zu sein.

Ein ganz einschneidendes, jahrhundertealte Routinen durchbrechendes Ereignis, war vor einem Jahr der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. Erst klang es wie ein Rosenmontagsscherz, als die Meldung durch die Presse ging. Aber bald zeigte sich, dass hier in der Kirche ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde, in dem langsam die ersten Zeilen mit unserem neuen Papst Franziskus geschrieben werden. Mit diesem ersten mutigen Schritt scheinen sich die Adern der Kirche mit neuem Leben zu füllen und immer wieder überrascht uns Rom mit neuen Ansätzen, die nicht nur bei uns Christen, sondern in der ganzen Welt als ungewöhnlich und dennoch dringend notwendig und gut empfunden werden. Das zeigt, dass trotz oder gerade wegen der vertrauten Routinen im Glauben, das Ungewöhnliche unbedingt mit dazu gehört.

Aber auch im Kleinen, nicht nur an der Spitze, gibt es viele kleine und große Aufbrüche. Unter den vielen Ideen denke ich hier zum Beispiel an den „Arbeitskreis Zukunft“ am Kirchort Sankt Mauritius. Dieser versucht, die Gewohnheiten und Situationen in der Gemeinde zu betrachten und aufgrund dieser Beobachtungen neue Ideen und Projekte mit auf den Weg zu bringen. Und er versucht vor allem auch den Menschen, die gute Einfälle haben, Mut zu machen, diese auch an den Start zu bringen. Dieses und viele andere Projekte zeigen, dass gerade durch das Fundament des Glaubens immer wieder ungewöhnliche neue Wege eröffnet werden.
Einmal im Jahr wird in der Welt das Ungewöhnliche Programm. Einmal, an Fasching, stellt sich die Welt auf den Kopf. Für uns Christen ist das nichts Außergewöhnliches: Veränderung und Wandel gehören zu unserem Leben mit dazu – Wir Christen, wir sind einfach anders als die anderen.

Ihr Kaplan
Simon Schade