St. Bonifatius Wiesbaden

Man sieht nur, was man weiß! - St. Mauritius

Musik Kultur Kirche, GemeindebriefBenjamin Dahlhoff
St. Mauritius, Ansicht des Alters vom Mittelgang. Foto: Benjamin Dahlhoff

St. Mauritius, Ansicht des Alters vom Mittelgang. Foto: Benjamin Dahlhoff

Ach, Sie gehören auch dazu! Acht Kirchorte - eine Gemeinschaft. Führungen durch unsere Kirchen.

St. Mauritius wurde in zwei Bauabschnitten von den Architekten Martin Braunstorfinger, Jürgen Jüchser und Peter Ressel erbaut und 1968 geweiht. Der aus Böhmen stammende Künstler Otto Hajek (1927-2005) gestaltete die Kirche künstlerisch aus. Das Konzept besteht aus einem kubischen Kirchenraum, einem Vorplatz und einem frei stehenden skulpturalen Kirchturm. In dem abfallenden Gelände sind im Untergeschoss die Gemeinderäume mit einer Krypta , die zum Gebet einlädt, eingebettet. Der Werkstoff der Kirche ist Beton, das Baumaterial der 1960er Jahre. Die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten des Materials wurden im Innen- und Außenbereich der Kirche kreativ umgesetzt. So entstand ein eindrucksvoller Bau der Moderne, der heute unter Denkmalschutz steht. Geometrische Betonreliefs in unterschiedlichen Formen geben der Kirche ein unverwechselbares Gesicht. Sie nehmen die Altarwand ein, ziehen sich über die Nordseite hinaus auf den Vorplatz und von dort bis zum Turm. Ebenso sind der Tabernakel im skulpturalen Sakramentshäuschen und der Ambo aus weißem Sichtbeton gestaltet. 

Beim Betreten der Kirche fällt der Blick auf die Altarwand. Diese ist mit unterschiedlichen Reliefs geschmückt. Die Form eines Kreuzes ist ausgespart und tritt unmerklich hervor. Das Kreuz wird gleich einer Kirchenfahne von den Farben Gelb und Weiß umflattert, sie stehen symbolisch für die Eigenschaften Gottes: Wärme, Licht, Reinheit, Heiligkeit. Das helle Grau ist innen und außen die vorherrschende Farbe. Durch das Spiel mit Licht und Schatten im Kirchenraum erfährt sie Tiefe und Lebendigkeit. Selbst die Bankreihen erscheinen im lichten Weißgrau des Betons. Sie stehen leicht schräg zueinander und umrahmen den Altar. Auf einigen Bänken breiten sich die Farben Gelb und Weiß aus, so als verströme sich der Glanz des Kreuzes in den Kirchenraum. 

Das farbige horizontale Fensterband an der Südseite, das sich im Altarbereich weitet, stammt von Hans Georg Schleifer. Es sind farbige Betonglasfenster aus Dallglas, zwei bis drei Zentimeter dick, und mit Betonreliefs auf der Außenseite geschmückt. Diese beleben die Fensterflächen von außen. Die Herstellung von Betonglasfenstern ist eine besonders eindrucksvolle technische Möglichkeit. (s. S. 145, in „Einst gelobt und fast vergessen“ Hrgb. v. Deutschen Werkbund Hessen, Niggli Verlag 2012) 

Buntglasfenster in St. Mauritius. Foto: Benjamin Dahlhoff

Buntglasfenster in St. Mauritius. Foto: Benjamin Dahlhoff

Die Farbe Blau, die Farbe des Himmels, der Tiefe und der Unendlichkeit, verbirgt sich dort, wo nach katholischem Glaubensverständnis Gott in Wein und Brot gegenwärtig ist – im Inneren des Tabernakels. In der Barockzeit wurden die Kirchen im Überschwang des Glaubens zur Ehre und zum Lobpreis Gottes in großer Fülle ausgeschmückt. In St. Mauritius geschieht dies auf moderne Art.

Hedi Seidler

Führung: Samstag, den 15. Februar 2014 um 15:00 Uhr Abeggstr. 37 mit Hedi Seidler.

Mehr Bilder von St. Mauritius (Private externe Seite)