St. Bonifatius Wiesbaden

St. Mauritius

Glaubensverfolgung im Jahr 2019

Gemeindebrief, Theologie SpiritualitätPhilippe Jaeck

„Ach, dass ich Tränen genug hätte, zu beweinen die Erschlagenen meines Volkes!“

Jeremias 9,1

Diese bitterliche Klage des Propheten Jeremias ist fast 3000 Jahre alt und hat nichts von ihrer Gültigkeit eingebüßt. Der neueste Bericht über Religionsfreiheit weltweit von KIRCHE IN NOT zeigt auf, wie viele Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt werden. In 18 der 38 Länder, in denen schwerwiegende Verletzungen bereits beim letzten Bericht zu verzeichnen waren (2016), hat sich die Situation für religiöse Minderheiten weiter verschlechtert. Die Ursachen sind autoritäre Regime, aggressiver Nationalismus und militante islamistische Bewegungen in weiten Teilen Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens. Die Verletzungen der Religionsfreiheit zeigen sich in feindseligen Haltungen, Diskriminierung, extremistischen Anschlägen, Verhaftungen bis hin zu Folter und Mord. Unsere christlichen Glaubensgeschwister sind besonders betroffen.

Im Dezember 2018 wurde in Deutschland an die Verkündigung der Menschenrechte vor 70 Jahren erinnert. In Artikel 18 heißt es: „Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit: dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst oder Kulthandlungen zu bekennen.“

„Dieser Artikel war bei der Feier kaum mehr als eine Fußnote wert“, schreibt der Journalist Thomas Jansen in seinem Artikel „Des Glaubens wegen verfolgt“ (FAZ, 15. Dezember 2018). Er berichtet, dass nur 54% der deutschen Bevölkerung die Religionsfreiheit für „sehr“ oder „äußerst wichtig“ halten. Diese laxe Einstellung gegenüber der Religion bestätigt auch der Bericht von KIRCHE IN NOT: „Es gibt zunehmend Anzeichen für einen „Vorhang“ der Gleichgültigkeit, hinter dem das Leid und die Not der Glaubensverfolgten verborgen bleibt.“ Um dieser Haltung entgegen zu treten, hat das Bundeskabinett im April 2018 den Bundestagsabgeordneten Herrn Markus Grübel zum Beauftragten für Religionsfreiheit berufen. Seine Aufgabe besteht in der weltweiten Beobachtung der Einhaltung der Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Menschenrechte, um dadurch das Problem der Missachtung der Religionsfreiheit an das Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Aus Solidarität mit den Verfolgten setzen wir in St. Mauritius unsere Mahnwachen im Jahr 2019 fort. Wie bisher finden sie an jedem letzten Donnerstag eines Monats um 18:00 Uhr statt (siehe Jahreskalender 2019 des Kirchortes St. Mauritius). Mögen die Verfolgten spüren, dass wir sie nicht alleine lassen, an sie denken, für sie beten und im Geiste bei ihnen sind.

„Umweltbedrohung“ und „Klimawandel“ sind wichtige Themen. Von ihnen wird fast täglich in den Medien berichtet, darüber darf aber das Problem der Missachtung der Religionsfreiheit und das dahinterstehende Leid nicht vergessen werden. Deshalb sind wir aufgefordert, aufzustehen und unsere Stimme dagegen in der Gesellschaft zu erheben.

Kommen Sie und beten mit! Die nächste Mahnwache findet am 28. Februar, 18:00 Uhr in St. Mauritius statt.

Hedi Seidler