St. Bonifatius Wiesbaden

Interview

Buchvorstellung: Tattoo & Religion

Gemeindebrief, Musik Kultur KirchePhilippe Jaeck

„Literatur an der Bonifatiuskirche“ lädt ein zur Buchvorstellung am Montag, 9. September um 19:00 Uhr in den Pfarrsaal im Pfarrhaus St. Bonifatius

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Paul-Henri Campbell (geb. 1982 in Boston/USA) ist Theologe und Schriftsteller. Er arbeitet für die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Limburg. Für seinen Gedichtband „nach den narkosen“ erhielt er 2017 den Bayerischen Kunstförderpreis und 2018 den Hermann-Hesse-Förderpreis. 2019 erschien sein Interviewband „Tattoo & Religion. Die bunten Kathedralen des Selbst“ im Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg.

Tattoos sind längst nicht mehr nur Kennzeichen bestimmter Gruppen, sondern sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Allerdings werden sie im Allgemeinen kaum mit Religion in Verbindung gebracht. Unser Autor zeigt in seinem Buch, dass dieses Thema zum einen nicht neu und nicht so ungewöhnlich ist, wie es scheint. Er hat dazu Interviews mit Tätowierern und Tätowierten geführt und ist auf historische Spurensuche gegangen. Wir freuen uns, dass er uns persönlich mit diesem interessanten Thema in Verbindung bringt und laden ein zur Buchvorstellung am Montag, 9. September um 19:00 Uhr in den Pfarrsaal im Pfarrhaus St. Bonifatius. (Eintritt frei)

Pfarrer Matthias Ohlig

„Literatur an der Bonifatiuskirche“

ist ein offener Kreis von Lesenden, die Freude haben an Literatur und sich gern über das Gelesene auszutauschen.

Literatur regt an, über interessante Themen, über „Gott und die Welt“ ins Gespräch zu kommen. Wir treffen uns zum Gespräch in der Regel am zweiten Montag im Monat im Leseraum des Pfarrhauses. Wir überlegen gemeinsam, welche Bücher wir lesen möchten. Die Teilnahme ist frei und es entstehen nur Kosten für die Lektüre.

Interview mit Paul-Henri Campbell

Wie kamen Sie auf das Thema?
Im Limburger Diözesanmuseum gibt es zahlreiche, religiöse Darstellungen (Ikonographie) nicht nur als Skulptur oder Gemälde, etwa Kreuzigungsszenen auf einem Türknauf, auf einem Wachstäfelchen oder einem Löffel. Mich interessierten die zum Teil ungewöhnlichen Darstellungsorte und Flächen von religiöser Kunst. Zufällig lernte ich da auch eine Tätowiererin kennen und so kamen wir darauf, in ihrem Studio Veranstaltungen zu religiösen Motiven und Sujets zu machen. Diese waren jedes Mal supergut besucht.

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Ich finde die Verbindung Religion und Tattoo bemerkenswert. Was waren die ursprünglichen Gedanken/Wünsche der ersten Stecher?
Im Christentum ist Tätowierung als Erkennungszeichen oder Pilgersouvenir, als Devotionalie und Andachtszeichen sehr alt. Die ersten Christen verwendeten solche Tätowierungen. Noch heute sind bei den Kopten in Ägypten und Eritreern rituelle Tätowierungen gebräuchlich, aber auch in Loreto und Santiago gibt es einen umfangreichen Kanon an religiösen Motiven.

Sind sich die Leute heutzutage dessen überhaupt bewusst?
Klar! Und ich frage mich: Sind sich alle Leute, die in die Kirche gehen, sich immer, bei allem bewusst, was sie machen? Wenn sich Menschen ein religiöses Zeichen geben, sollte man es respektvoll ansehen, anstatt ihre Motive zu hinterfragen oder den Grad ihres Bewusstseins. Denn selbst bei den Kontemplativsten unter den Christen gibt es ziemlich viel Bewusstlosigkeit.

Wie spielt Kunst darin eine Rolle?
Naja, um eine Abendmahlsdarstellung nach einem Alten Meister zu tätowieren, da muss man schon was von Perspektive verstehen. Tätowieren ist hier ganz ähnlich wie das Zeichnen. Ohne Kunst geht da nichts. Wenn ein Goldschmied einen Kelch oder eine Monstranz herstellen soll, hat er im besten Fall Ahnung von der Geschichte dieser Objekte, auch ihrer Kunstgeschichte. So ist das beim Tätowieren auch.

Haben Sie selbst ein Tattoo? Falls ja: was und wo?
Ich lasse mir im August in Stuttgart etwas sehr Schönes tätowieren. Wenn Sie zur Veranstaltung kommen, dann verrate ich Ihnen gerne, was es ist …

Die Fragen stellte Philippe Jaeck
Foto: Volker Derlath