St. Bonifatius Wiesbaden

Ostern

Theologie SpiritualitätBenjamin Dahlhoff

Pfarrer Klaus Nebel über das Osterfest

Klaus Nebel

Die Feier des Osterfestes beginnt jedes Jahr mit einem berührenden Zeichen: In die Dunkelheit der Nacht zum Osterfest wird die Osterkerze in die Kirche hineingetragen. Sie bringt das Licht. Dabei ist es schön zu sehen, wie eine einzelne kleine Flamme doch die Dunkelheit eines großen Raumes zerstreuen kann. Das erinnert an das große Wort des ersten Schöpfungstages, das ja überhaupt das erste Wort Gottes in der Bibel ist: „Es werde Licht!“ So bekommt die Feier der Osternacht etwas Schöpferisches; sie will uns sagen: Ostern ist die Stunde Null, mit der nun Gottes neue Welt anbricht.

Hier schon spricht das tröstliche Leuchten der Osterkerze in unsere Zeit hinein. Wie viel Dunkelheit gibt es doch in unserer Welt. Von den großen und z. T. immer wieder gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Weite der Welt über die Ungerechtigkeit, die die Menschheit in Reiche und Arme spaltet, in Menschen, die im Überfluss leben, während viele andere nicht das Nötigste zum Leben haben und in Angst leben müssen oder auf der Flucht sind, bis hin zu jenen Sorgen, die unser eigenes Leben verdunkeln, wo plötzlich Brüche entstehen, wo schwere Krankheit quält, wo der Tod hereinbricht…

Osternacht 2016 - Pfarrer Klaus Nebel am Osterfeuer in St. Bonifatius. Bild: Benjamin Dahlhoff.

Osternacht 2016 - Pfarrer Klaus Nebel am Osterfeuer in St. Bonifatius. Bild: Benjamin Dahlhoff.

Da bricht die Sehnsucht nach einer erneuerten Welt auf, in der es heller wird. Der Glaube sagt uns, dass Gott dieses Dunkel erhellen kann und es schon erhellt hat. Ostern ist aber nicht nur vertröstende Symbolik; hinter der Osterkerze steht ja die Wirklichkeit des Kreuzes. Vor Ostern steht der Karfreitag. Weil Gott selbst in die Dunkelheit hinabgestiegen ist, konnte die letzte aller Dunkelheiten, der Tod, besiegt werden. Scheint der Karfreitag, indem er uns das Kreuz Christi zeigt, beinahe zu sagen: Die Dunkelheit hat gesiegt, so lässt er uns doch tiefer erkennen, dass Gott selbst als das wahre Licht in diese Dunkelheit des Todes und der Ungerechtigkeit eingetaucht ist – und sie hell gemacht hat. Das ist der österliche Glaube der Christen: Die Welt bleibt nicht dunkel, sondern das Licht hat gesiegt; das ist die Botschaft der Osterkerze: Christus ist wahrhaft auferstanden.

Unsere Weltnacht führt oft dazu, dass wir das Nächste und den Nächsten nicht sehen. Aber schon eine Kerze genügt, um das Dunkel zu durchbrechen und den Weg zum anderen wieder neu zu finden. Bei unserer Taufe wurde uns allen eine Kerze gegeben. Als sie an der Osterkerze entzündet wurde, gab Gott uns das Feuer dazu: Lassen wir sie leuchten!

So wünsche ich Ihnen allen auch im Namen des Pastoralteams ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Pfarrer Klaus Nebel