St. Bonifatius Wiesbaden

Aschermittwoch

Theologie SpiritualitätBenjamin Dahlhoff

Jetzt beginnt der Ernst des Lebens

„Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“, sagte meine Großmutter kurz vor meiner Einschulung. Diesen Satz wiederholte sie, wenn ein neuer Lebensabschnitt anstand, der mehr Eigenständigkeit und Verantwortung erforderte. Zum Glück traf die Aussage nicht immer zu… Ich habe aus Großmutters Worten aber mitgenommen, dass es Übergänge gibt, die einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Von einem Tag auf den anderen können sich Lebensbedingungen und Grundstimmungen grundlegend ändern, aus Freude wird Ernst, aus Leichtsinn die Notwendigkeit, den Fragen des Lebens auf den Grund zu gehen. 

So ein Tag des Kontrastes ist der Aschermittwoch. Viele kommen von den Fastnachtsumzügen und vom Feiern und landen mehr oder weniger abrupt in der Fastenzeit. Mancher Fassenachter schafft den Übergang nur mit Aspirin oder saurem Hering. 

In manchen Landstrichen gibt es den Brauch, am Fassnachts- oder Karnevalsdienstag kräftig zu feiern und um Mitternacht den „Hoppeditz“, eine Strohpuppe, zu verbrennen. Unter großer Anteilnahme wird die „Fassenacht“ begraben. 

Das Verbrennen von Luftschlangen im Rahmen eines Aschermittwochsgottesdienstes in den Kindertagesstätten oder mit Grundschülern sagt Ähnliches: Das bunte, laute Treiben ist vorbei.

Nun wenden wir uns der „Kehrseite“ zu. Im Grunde steckt die Symbolik auch in der Asche, die im Gottesdienst an Aschermittwoch verwendet wird. Sie wird gewonnen aus den „Palmzweigen“- in unserer Gegend meist Buchsbaum -, die das Jahr über die Kreuze geschmückt haben. Mit diesen „Palmzweigen“ wird am Palmsonntag Jesus überschwänglich begrüßt, wenn er in Jerusalem einzieht. Es ist ein Festtag voller Freude. Doch diese „Freudenzweige“ sind vergänglich und werden zu Asche. 

Der Aschermittwoch ist der erste Tag der Fastenzeit, die uns vorbereitet auf das Leiden und Sterben Jesu. Es wird ernst. Mit „heiligem Ernst“ kommen viele Gläubige am Aschermittwoch zum Gottesdienst und empfangen das Aschenkreuz. Während das Kreuz auf ihre Stirn gezeichnet wird, wird ihnen zugesagt:

„Bekehre dich und glaube an das Evangelium“ oder „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst“.

Die 1. Lesung aus dem Buch Joel (Joel 2,12-18) spricht vom Untergang des Gottesvolkes. Sie zeigt aber auch einen Weg auf, wie ein Neuanfang im Angesicht Gottes möglich ist: die ehrliche und radikale Umkehr zum gnädigen und barmherzigen Gott. 

Im Matthäus-Evangelium (Mt 6) nennt Jesus verschiedene Formen, in denen sich der Glaube ausdrückt: Gebet, Almosen geben und Fasten. Er weist eindrücklich darauf hin, dass es hierbei nicht um äußere Pflichterfüllung gehen kann, sondern um die innere Haltung. 

Am Aschermittwoch beginnt der Ernst des Lebens. Nicht, damit wir gebückt und gedrückt als arme Sünder vor Gott stehen. Sondern damit wir der Wahrheit ins Gesicht sehen. Der Tatsache, dass unser Leben endlich ist. 

Der Tatsache, dass wir oft hinter unseren Idealen zurückbleiben. Der Wahrheit, dass auch bei uns manches Fassade ist, hinter der nicht alles glänzt und in Ordnung ist. Sehen wir der Wahrheit ins Gesicht, dass wir manches nicht selber schaffen. Und wir dürfen vertrauen auf Gottes Wort: Da ist unser Gott, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte, der uns annimmt, wenn wir zu ihm kommen. Manchmal steckt hinter dem Ernst auch eine große Zuversicht. 

Für die bevorstehende Österliche Bußzeit oder Fastenzeit wünsche ich Ihnen eine gute Mischung aus Freude und Ernst und gebe Ihnen das folgende Gebet von Werner Schaube mit auf den Weg :

Gezeichnet vom Alltag,
mit Fehlern und Schwächen,
mit Sorgen und Nöten unseres Lebens. 

Herr, da sind wir.
Offen für dein Wort, das immer Vergebung meint.
Offen für deine Botschaft, die immer Freude bringt.

Herr, da sind wir.
Bereit zur Umkehr,
bereit zum Frieden.
Bereit zum Leben.-
Herr, da sind wir. 

Marion Lindemann