St. Bonifatius Wiesbaden

In Gottes Hand

Theologie SpiritualitätBenjamin Dahlhoff

Ein Sommer mit Unwettern, die an die Grenzen des menschlichen Seins führen.

Ein halbes Jahr Arbeit liegt zurück. In dieser Zeit ist das eine oder andere passiert. In dieser Zeit wir haben uns engagiert, sind früh oder zu ungewöhnlichen Zeiten zu unserem Job gegangen und wir haben der Hektik des Alltages Stand gehalten. Wir haben dafür unsere ganze Kraft eingesetzt. Manches ist dabei nicht erreicht worden, anderes ist schließlich doch gelungen. In unserer Betriebsamkeit ist die Sehnsucht nach Ruhe und Urlaub nicht fern. Die Sommerferien stehen vor der Tür. Viele fahren weg. Da tauchen Fragen auf wie: Wo geht es hin? Ist es eine Reise mit Kultur und Sightseeing oder ist es der Strand mit Palmen und Meer? Vielleicht ist es auch ein Trip in die Natur? 

Rainbow over wheat field, nature landscape

Doch die Natur ist nicht auf Ruhe eingestellt. Die wenigen warmen Tage in diesem Jahr sind verflogen und der Sommer, auf den wir warten, ist nicht da. Stattdessen regnet es immer wieder. Gewitter, Hagel und Starkregen wechseln sich ab – und das geht schon seit einigen Tagen so. Ein Ende der Wetterkapriolen ist nicht in Sicht. In den vergangenen Wochen konnten wir in den Nachrichten immer wieder hören, dass ganze Landstriche überflutet sind, weil der Boden wegen des vielen Regens kein Wasser mehr aufnimmt. Die Eingriffe des Menschen in die Natur tragen ihr Übriges zu der Wetterlage bei. Die Folgen sind für viele sofort spürbar. Dörfer werden von den Wassermassen weggerissen und ganze Existenzen werden fortgespült. Die Aufräumarbeiten sind mühselig und gehen nur Schritt für Schritt voran, weil ein Unwetter dem anderen folgt. Die Bauern beklagen, dass durch den nassen Boden die Ernte gefährdet ist. Sonne und Wärme könnten da für Entspannung auf den Feldern sorgen, damit der Pflanzenbestand nicht vollkommen verloren geht.

Auch wir Menschen brauchen die Sommerwärme. Sie sorgt für ein frohes Gemüt und bringt Erholung. Doch wir können nicht entscheiden, ob die Sonne scheint. Wir können das Wetter nicht beeinflussen. Wir können es nur beobachten und mit dem Ergebnis umgehen. So ist es auch mit unserer Zeit. Wir können die Vergangenheit nicht zurückdrehen. Unser Alltag verschwindet nicht, auch wenn wir immer schneller arbeiten und wir wissen nicht, was die Zukunft bringt, auch wenn wir sie noch so gut planen. Die großen Ereignisse im Leben wie zum Beispiel eine Geburt und das Sterben eines Menschen geschehen, ob wir es wollen oder nicht. Wir können uns auch nicht aussuchen, in welche Familienverhältnisse wir hineingeboren werden, oder welche Menschen uns begegnen. Aber das, was wir als Menschen in Beziehung zueinander erleben, können wir gestalten. Die Dinge nehmen mit oder ohne uns ihren Lauf. Das stellt schon der Verfasser im Buch Kohelet fest, wenn er sagt: „Alles hat seine Zeit” (Koh 3, 1-8). Manches verändert sich durch unser Dasein. Anderes ist wie es ist und wenn wir noch so sehr dagegen arbeiten. Es bleibt unverfügbar. 

Das, was nicht in unserer Hand liegt, macht uns immer wieder deutlich, wie begrenzt wir sind. Durch die Grenzbereiche des menschlichen Seins erfahren wir, wie wichtig es ist verantwortungsvoll zu entscheiden und zu handeln. Gute Entscheidungen zu treffen und danach zu handeln lässt sich oft nicht von alleine machen. Wir Menschen sind Beziehungswesen und brauchen ein Gegenüber zur eigenen Reflektion. Manchmal finden wir es in den Mitmenschen, die uns im Leben begegnen. Doch das reicht häufig nicht aus, besonders dort, wo ein Ereignis so unfassbar ist, dass es mit dem Verstand nicht in Gänze begriffen werden kann. Hier spüren wir ganz direkt, wie sehr wir uns von dem, der größer ist als wir, unterscheiden. 

Dieser Unterschied macht uns im Verhältnis zu unserem Schöpfer zu dem, was wir sind – nämlich geschöpflich und menschlich. So dürfen wir das der Hand Gottes anvertrauen, was nicht in der unsrigen liegt und wenn es das Wetter ist. Fallen wir, dann fängt er uns auf. Das, so meine ich, hat etwas Erholsames, denn, wo wir merken, dass unser Bemühen nicht ausreicht, dürfen wir uns an ihn wenden. Wir dürfen uns auf ihn verlassen, denn er geht mit uns. Er gibt uns in all dem, was wir im Leben erfahren, Halt und lässt uns zur Ruhe kommen, ob im Alltag, in der Grenzsituation oder auch im Urlaub. Im Vertrauen auf Gottes Gegenwart in jeder der unsrigen Lebenslagen, wünsche ich Ihnen die Erfahrbarkeit seiner Ruhe und eine gesegnete Sommerzeit.

Carola Müller