St. Bonifatius Wiesbaden

Über das Dunkel siegt das Licht

Theologie SpiritualitätBenjamin DahlhoffComment
Klaus Nebel

Über das Dunkel siegt das Licht: So sagt es uns der Höhepunkt des Kirchenjahres immer wieder aufs neue, wenn zu Beginn der Osternacht das Osterfeuer entzündet wird. Dieses Feuer ist kein Feuer, das zerstört oder vernichtet. Es ist ein Feuer, das die Nacht hell macht, den Tag heraufführt, uns wieder Licht und damit Orientierung schenkt, uns klar sehen lässt und uns so auch den Weg zum Nächsten finden lässt. Der Glaube bekennt, dass der auferstandene Christus dieses Licht ist.

Der Blick in unsere Gegenwart freilich verrät uns zunächst, wie sehr die Welt von Dunkelheiten umgeben ist. Das beherrschende Thema unserer Nachrichten ist die unvorstellbar schreckliche Gewalt, mit der die Menschen in Syrien, im Irak, in vielen Teilen Afrikas und vielen anderen Ländern der Erde heimgesucht werden. Mit ihrer Gnadenlosigkeit wollen Terroristen mit ihren Kriegen und Anschlägen überall die Welt in Angst versetzen. Darin ereignet sich derzeit auch eine unübersehbare Welle der Christenverfolgung.

Ungebrochen ist der Strom der Flüchtenden, die darauf hoffen, bei uns offene Türen und Herzen zu finden. Mit dem Blick auf diese Welt scheint es, als würde die Dunkelheit alles erdrücken und kein Licht, keine Hoffnung mehr zulassen. Bleibt die Welt im Karfreitag stecken?

Osterlicht - aufgenommen in der Osternacht 2015 in Dreifaltigkeit. 2015 Benjamin Dahlhoff

Osterlicht - aufgenommen in der Osternacht 2015 in Dreifaltigkeit. 2015 Benjamin Dahlhoff

Vielleicht sind es gerade die christlichen Märtyrer unserer Tage, die uns das Gegenteil lehren. Die Märtyrer halten in der vollkommenen Ausweglosigkeit ihrer Situation an ihrem Bekenntnis im Glauben an Christus fest. Das hat nur einen Sinn, wenn sie eine Hoffnung haben. Mitten in der Hoffnungslosigkeit erweisen sie sich als Hoffnungsträger. Ihr Bekenntnis zu Christus spricht von der Hoffnung, dass es eine letzte und wahre Gerechtigkeit gibt, dass nicht Hass und Gewalt, sondern Versöhnung und Liebe das allerletzte Wort haben, dass nicht der Tod das Ende, sondern das Leben die Vollendung in Gottes Ewigkeit bringt. Ihre Hoffnung ist Christus, der am Kreuz ungerechte Gewalt erlitten und doch verziehen hat, der dem Hass ausgesetzt war und doch geliebt hat, der zu Tode gebracht wurde und doch auferstanden ist.

Ohne Ostern bliebe es dunkel. Aber Christus ist auferstanden! Und genau diese Überzeugung will uns auch zu Hoffnungsträgern machen. Ostern will, dass wir das Licht dieses Feuers in uns aufnehmen, uns im Glauben entzünden lassen und so immer wieder neu zu einem wirksamen Zeichen der Hoffnung für die Menschen werden, die uns im Leben anvertraut sind.
So wünsche ich Ihnen allen – auch im Namen unseres Pastoralteams – ein frohes und gesegnetes Osterfest.

Klaus Nebel, Pfarrer