St. Bonifatius Wiesbaden

Stadtpatron und Sichtbeton

Aus dem Leben der PfarreiBenjamin Dahlhoff

Der Kirchort St. Mauritius stellt sich vor.

Wer an Wiesbadens Kirchen denkt, dem fallen vermutlich spontan die prägnanten Bauten von St. Bonifatius, der Marktkirche oder Mariä Heimsuchung am Stadthorizont ein. Wo aber „verbirgt“ sich die Kirche St. Mauritius? Nicht, wie man vermuten könnte, auf dem gleichnamigen Platz in der Fußgängerzone, wo sie bis zum Brand 1850 ihren Platz hatte. Man muss schon sehr genau hinschauen. Sie versteckt sich nicht, nimmt sich eher etwas zurück und ordnet sich in das Wohngebiet oberhalb der Sonnenberger Straße im Nordosten der Stadt ein.

Heller Sichtbeton prägt ihr äußeres und inneres Erscheinungsbild. Das in zwei stilistisch unterschiedlichen Bauabschnitten entstandene Gebäude teilt sich in einen hangabwärts gelegenen Bereich der Gemeinderäume und das darüberliegende Kirchenschiff. Damit wird das Spannungsverhältnis von Sonntäglichem und Werktäglichem zum Ausdruck gebracht. Ein Kleinod eher im Verborgenen ist die Krypta im Untergeschoss. Grundsteinlegung 1960 und Konsekrierung 1968 sind die Eckdaten einer jungen Kirche, die mittlerweile zum Kulturdenkmal erhoben wurde.

Der hl. Mauritius, Wiesbadens Stadtpatron, ist ihr Namensgeber. Er ist in der Kirche allgegenwärtig. Beim Betreten der Kirche wird er am Eingangsportal sichtbar. Ein rotes Mauritiusbanner schmückt die Krypta im Untergeschoss. Relikte der abgebrannten Mauritiuskirche, wie Sühnekreuz und der Grundstein von 1488, sind im Kirchenraum präsent. Kirchenvorplatz und Innenraum zeigen mit ihrer Ornamentik und ihrer skulpturalen Vielfalt die bildhauerische Arbeit und Schaffenskraft von Otto H. Hajek. Die Farben Gelb und Weiß schaffen im Kirchenraum ein besonderes Spannungsverhältnis. 

Was prägt den Kirchort St. Mauritius, was bewegt ihn?

Fr. Dr. Jaschke, Vorsitzende des Ortsausschusses: „Die Menschen am Kirchort packen gerne an. Sie sind vielseitig und lieben die Gemeinschaft vor Ort. Sie möchten das Evangelium leben und sind bereit, Neues zu wagen, Initiativen der Gemeindemitglieder aufzugreifen und zu fördern, um lebendig auf die Bedürfnisse der Menschen möglichst aller Altersgruppen einzugehen.“

Das Gedenken an die Verfolgung von Gläubigen in der Welt hat in unserer Gemeinde einen besonderen Stellenwert. Sichtbares Zeichen sind die seit mehr als 1 ½ Jahren an jedem letzten Donnerstag im Monat stattfindenden Mahnwachen auf dem Kirchenvorplatz mit anschließender Messe, in der wir die Anliegen „auf den Tisch des Herrn legen“. Zudem ist auch die Flüchtlingssituation in St. Mauritius präsent geworden. In der ehemaligen Pfarrwohnung hat eine syrische Flüchtlingsfamilie ihr neues Zuhause gefunden. Dank des großen Engagements der Gemeinde waren Mobiliar und Alltagsgegenstände gleich gefunden.

Die Kinder, die mit ihren Eltern und Geschwistern sonntäglich die Hl. Messe besuchen, erfahren in einem eigenen Gesprächskreis das Wort Gottes durch engagierte Gemeindemitglieder. An ausgewählten Sonntagen werden gemeinsam Familiengottesdienste gefeiert; ein weiteres besonderes Angebot für größere Kinder ist der Jugend- und Kindertag. Er ist aus einer Initiative der ehemaligen Erstkommunionkinderkatechetinnen und des Predigtgesprächskreises heraus entstanden. Beim Jugend- und Kindertag wird mit Spiel und Spaß fröhlich Gemeinschaft gelebt und gefeiert. 

Den älteren Menschen, die in unserem Gemeindegebiet in den verschiedenen Wohneinrichtungen leben, wird durch ehrenamtlich tätige Gemeindemitglieder die Möglichkeit gegeben, dort hl. Messe oder Wortgottesdienst zu feiern. Seit 2014 nehmen Taizé-Gebete in der Krypta von St. Mauritius einen festen Platz im Gemeindeleben ein. Mit einer Mischung aus Gesang, kurzen Bibelstellen und einer Zeit der Stille hat jeder die Möglichkeit, Gemeinschaft zu erleben, aber auch zur Ruhe zu kommen oder einfach mal nach innen zu lauschen.

Es gibt ein vielfältiges Angebot an theologischen Themen und Fragestellungen, die bspw. im Rahmen von Glaubensgesprächen aufgegriffen werden. Zum Reformationsjahr 2017 sind von Januar-März drei Vortragsabende vorgesehen, u.a. zu den Themen. „2017 – ein gemeinsames Christusfest, Meilen- und Stolpersteine in der Ökumene“ oder „Luthers Mystik und die Einheit der Kirche“.

Unsere Patengemeinde befindet sich in Osorno/Chile. Zu ihr und Pfarrer Peter Kliegel, den wir in seinem Wirken vor Ort unterstützen, besteht eine enge Verbindung. Ein besonderer Aspekt hierbei ist der Weihnachtsbasar am 1. Advent, dessen Erlöse der Patengemeinde zugute kommen. St. Mauritius besitzt einen Kirchenchor, der mit seinem musikalischen Repertoire an ausgewählten Sonntagen die hl. Messe bereichert und ihr einen „besonderen Klang“ verleiht. Menschen, die gerne mit uns in Gemeinschaft singen möchten, sind herzlich eingeladen. Geprobt wird montags 19.30-21.00 Uhr. Die jährlichen Gemeindefahrten im Sommer, die von Gemeindemitgliedern mit viel Engagement geplant und ausgerichtet werden, sind immer ein besonderes Highlight und eine Bereicherung des Gemeindelebens.

Zu der gerade einmal „einen Steinwurf“ entfernten evangelischen Thomaskirchengemeinde besteht eine enge Verbindung und eine seit vielen Jahren gelebte Ökumene. Epiphanias, Gottesdienste zu Pfingstmontag mit einer Prozession durch unser Wohngebiet oder am Buß- und Bettag sowie eine ökumenische Hubertusandacht an der Feldkapelle im Tennelbachtal im Herbst sind sichtbare Zeichen des Miteinanders. Darüber hinaus ist die Ökumene „immer in Bewegung“, sei es bei den gemeinsamen Pilger- oder Kräuterwanderungen oder bei einem frühmorgendlichen Vogelspaziergang. Unmittelbar neben der Mauritiuskirche befindet sich der gemeinsame ökumenische Kindergarten im Stadtgebiet. Er ist Dreh- und Angelpunkt für die aufwachsende Generation.

Seien Sie herzlich zu einem Besuch nach St. Mauritius eingeladen. Gerne auch zum Kirchenkaffee nach der sonntäglichen Messe.
 

Stefan Brenner
Bilder: Stefan Brenner und Alexandra Göbel