St. Bonifatius Wiesbaden

Gemeindebrief 9/2015

Theologie SpiritualitätBenjamin Dahlhoff
Pfarrer Klaus Nebel. Foto: Bistum Limburg

Pfarrer Klaus Nebel. Foto: Bistum Limburg

Grußwort des neuen Stadtdekans Pfarrer Klaus Nebel

Liebe Brüder und Schwestern,

Den neuen Gemeindebrief finden Sie in unseren Kirchen.

ein Grundwort unseres Glaubens könnte auch das Wort „Begegnung“ sein. Schließlich ist der christliche Glaube nicht bloß eine Lehre, verbunden mit einer bestimmten religiösen Praxis. 

Unser Glaube gründet zu aller erst in der Begegnung Gottes mit uns Menschen, ja darin, dass Gott uns wirklich in Jesus Christus begegnet ist und uns fortan nahe bleibt. Dieses Begegnen ist keinesfalls selbstverständlich, dass Gott Mensch wird, dass er uns so sein Angesicht zuwendet, unser Leben teilt, uns liebt mit einem wahrhaft menschlichen Herzen, dabei alles, ja sich selbst gibt am Kreuz und so den letzten Winkel aller menschlichen Einsamkeiten, den Tod, überwindet und uns Menschen damit in jene letzte und gültige Begegnung mit ihm eintreten lässt, die uns die Weite und Freiheit seiner Ewigkeit erschließt. Darin zeigt uns Gott, wer er ist. 

Der erste Johannesbrief sagt es uns kurz und eindeutig: Gott ist die Liebe. Damit wird auch klar, was Gott von uns will: Dass wir immer mehr zu Liebenden werden.

So können wir im Glauben aber auch sagen: Wo immer menschliche Begegnung gelingt, weil sie etwa von Vertrauen, Wahrhaftigkeit, Güte, Geduld, Vergebung, ja von Liebe getragen ist, scheint etwas von jener grundsätzlichen Begegnung Gottes mit uns Menschen auf. Unsere Welt hungert nach genau dieser Begegnung.

Mit diesem September beginne ich meinen Dienst als Pfarrer in Wiesbaden. Mit Mut und Entschlossenheit möchte ich diese neue Aufgabe anpacken. Besonders aber freue ich mich auf die vielen Begegnungen mit Ihnen allen in den verschiedenen Zusammenhängen der Seelsorge. Mögen diese Begegnungen uns im Glauben wachsen lassen. Dazu schenke Gott uns seinen guten Segen.

Klaus Nebel, Pfarrer

Es ist soweit! - St. Bonifatius bekommt wieder einen Pfarrer und Stadtdekan

Nach einer Vakanz von fast zwei Jahren bekommt Wiesbaden wieder einen Stadtdekan und die Pfarrei neuen Typs Sankt Bonifatius einen Pfarrer: In der Person von Klaus Nebel, der am 13. September feierlich eingeführt wird.

Pfarrer Stephan Gras

Pfarrer Stephan Gras

Anlass den Blick auf aktuelle Ausführungen zum Thema Christentum in der Großstadt zu richten:
Christentum in den großen Städten braucht einen Wandel der Mentalität: Vom Warten zum Hingehen, vom Nehmen zum Geben. Das sagte Papst Franziskus im vorigen Jahr zu einer Gruppe von Teilnehmern an einem internationalen Kongress zur Großstadtpastoral.
Barcelona war Gastgeber dieses katholischen Kongresses. Eine Abordnung der Teilnehmer wurde von Papst Franziskus in Audienz empfangen.

„Ich möchte bei meiner eigenen persönlichen Erfahrung beginnen, als jemand, der Bischof der großen und multikulturellen Stadt Buenos Aires war“, so begann der Papst seine Ansprache. Dreizehn Millionen Menschen hätten in seiner Kirchenprovinz gelebt, so der Papst.

„Wenn ich gemeinsam mit Ihnen nachdenke, dann möchte ich in diese ‚Bewegung‘ einsteigen, um neue Wege zu öffnen; ich möchte auch dabei helfen, mögliche Ängste abzubauen, denen wir auf die eine oder andere Weise unterworfen sind und die uns lähmen. In Evangelii Gaudium wollte ich bereits die Aufmerksamkeit auf die Stadtpastoral richten, ohne sie gegen die ländliche Pastoral auszuspielen. Dies hier ist eine gute Gelegenheit, um die Herausforderungen und möglichen Horizonte zu bedenken. Herausforderungen, das sind die Orte, zu denen Gott uns ruft; Horizonte, das sind die Aspekte, von denen ich meine dass sie besondere Aufmerksamkeit benötigen.“
Vier Dimensionen hob der Papst in seiner Ansprache hervor, die erste davon sei möglicherweise die Schwierigste: Der Wandel in der pastoralen Mentalität. Diese sei immer noch von den Zeiten geprägt, in denen die Kirche der einzige Träger von Kultur und Ursprung des Wertesystems war.

Diese Zeiten seien endgültig vorbei. Es brauche den Mut, nicht die einfache Straße des Relativismus zu gehen, sondern ohne Furcht zu verkünden: Keine Scham haben, Jesus Christus zu bezeugen.

Die zweite Dimension sei die Multikulturalität, auch hier sei Mut gefragt: „Ich denke oft an die Kreativität und den Mut des Paulus bei seiner Predigt in Athen. Der Arme, das ist ganz schön schief gegangen, aber er hatte die Kreativität, sich vor die Götzen zu stellen, er ist in ihre Kultur hinein gegangen, er wollte diese Kultur verstehen, die so weit weg war von seiner eigenen jüdisch-christlichen.“

Drittens sprach er von dem Volksglauben: Gott lebe in der Stadt, man müsse Gott da suchen, wo er sich zeige. In der Religiosität der Menschen, unterschiedlich auf allen Kontinenten, müsse man den authentischen Glauben der Menschen entdecken.

Die vierte Dimension: „Gott spricht zu uns wie zu allen Zeiten vor allem durch die Armen. Die großen Städte heute sind von vielen Migranten und Armen bevölkert, die vom Land kommen oder aus anderen Kulturen. Auch Rom ist voller Obdachloser. (..) Dieses Angesicht der Stadt kann man nicht verstecken: die Armen, die Ausgeschlossenen, die Weggeworfenen – heute können wir von weggeworfenen Menschen sprechen. Die Kirche darf ihren Schrei nicht überhören und mitspielen bei den ungerechten Systemen, welche sie unsichtbar machen wollen.“

Der Papst schloss einige Vorschläge an: den Wandel der Mentalität, vom Empfangen zum Hinausgehen, vom Warten auf die Menschen zum Aufbrechen zu ihnen. Das sei ein erster Schritt.

Ein zweiter Vorschlag: die ‚Samariter‘-Kirche. Kirche ziehe durch authentisches Zeugnis an, das konkrete Zeugnis sei das der Barmherzigkeit und der Zärtlichkeit und die Präsenz an den Rändern der Gesellschaft, so der Papst. In all dem sei vor allem die Voranstellung der Laien und die Einbindung der Armen in die Pastoral wichtig, schloss der Papst seine Ausführungen.

Die Bedeutung dieser Ausführungen für Wiesbaden zu entdecken, wird eine spannende Aufgabe der kommenden Jahre sein. Herzlich bitte ich Sie um Unterstützung für Pfarrer Nebel hierbei!

Stephan Gras, (noch) Pfarrverwalter St. Bonifatius, stv. Stadtdekan