St. Bonifatius Wiesbaden

Fronleichnam

Theologie SpiritualitätBenjamin Dahlhoff

In Wiesbaden Innenstadt feiern wir Fronleichnam am
4. Juni ab 10:30 Uhr auf dem Schlossplatz

Wenn Christen auf die Straße gehen

Fronleichnam, was feiern wir da eigentlich? So fragen nicht nur unsere Kommunionkinder. Fronleichnam gehört zu den bekanntesten Festen der katholischen Kirche, ist bei uns in Hessen immerhin ein Feiertag. Und dennoch geraten nicht wenige in Erklärungsnot, wenn sie zum Inhalt und zur Bedeutung des Festes Auskunft geben sollen. Es beginnt schon mit dem Begriff selbst, der leicht irreführend erscheint. 

Fronleichnamsgottesdienst auf dem Wiesbadener Schlossplatz. Foto: 2014 B. Dahlhoff

Anders als es der mittelalterliche Name vermuten lässt, geht es an diesem Tag um den lebendigen Leib Christi. „Fron“ heißt „Herr“ und „Lichnam“ steht für den lebendigen Leib und nicht etwa für „Leiche“. Wir feiern das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ die Gegenwart Christi in der Eucharistie. Nach der Eucharistiefeier zeigen wir Katholiken in der anschließenden feierlichen Prozession in aller Öffentlichkeit: Seht her! In der Gestalt des Brotes ist Gott mitten unter uns. Gott ist mit uns auf dem Weg. Darum wird die konsekrierte Hostie in einer strahlenden Monstranz unter einem Baldachin durch die Straßen getragen. Dieser Baldachin symbolisiert den Himmel und wird auch oft so genannt. So gesehen haben wir Katholiken an diesem Tag den „Himmel auf Erden“, denn wir feiern Jesus Christus als unser „Brot des Lebens“.

Pfarrer Jude Okeke segnet ein Kind bei der Kommunion der Fronleichnamsmesse. Foto: 2014 Benjamin Dahlhoff

Fronleichnam erinnert an das, was Jesus am letzten Abend seines Lebens getan hat: Beim Mahl mit seinen Freunden brach er das Brot, gab es ihnen und sagte: Dies ist mein Leib. Daran erinnert die Kirche am Gründonnerstag. Weil aber in den Tagen vor Ostern keine richtige Feier möglich ist, wurde diese ans Ende der österlichen Zeit gelegt. Auf den 2. Donnerstag nach Pfingsten.

Wenn wir katholischen Christen in Wiesbaden an Fronleichnam auf die Straße gehen, dann bezeugen wir damit unseren Glauben. Als Christen sind wir immer aufgefordert, im gesellschaftlichen Leben für unseren Glauben einzustehen und unseren Mitmenschen im Arbeitsleben und in der Freizeit zu zeigen, dass uns unser Glaube wertvoll ist und dass er unser Leben bereichert. Gerade in Zeiten in denen das religiöse Leben scheinbar tabu ist und zur "Privatsache" erklärt wird, erscheint es besonders wichtig, den eigenen Glauben in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Wir tragen die Mitte unseres Glaubens, Jesus Christus, in der Gestalt von Brot hinaus in unsere Welt, auf Straßen, Plätze und Institutionen, in denen wir leben und in denen wir Leid und Not erfahren und in denen wir immer wieder neu unsere Hoffnung und unser Glück finden. Wir demonstrieren, dass wir glauben, dass der Sinn und die Mitte unseres Lebens Gott selber ist, der sich in Jesus Christus ganz auf unser menschliches Leben eingelassen hat. Er ist das Fundament unseres Lebens und nicht wir selber, auch nicht unsere Leistung und ebenso wenig unsere Institutionen und Organisationen, wie wichtig sie auch sein mögen.

Fronleichnamsprozession durch die Innenstadt Wiesbadens. Foto: 2013 B. Dahlhoff

Wir erleben in der Prozession, dass unser Glaube nicht nur an heiligen Orten stattfindet, sondern auch dort, wo alles Andere des Lebens vorkommt - mitten auf der Straße. Wir nehmen die Erfahrung auf, dass ein Glaubensleben keine Grenzen von Kirchenmauern kennt. Wir stellen fest, dass Heiliges und Weltliches nicht voneinander zu trennen ist, dass Christsein nicht mit dem Schlusssegen des Gottesdienstes endet. 

Wenn wir uns mit dem Allerheiligsten nach der Eucharistiefeier vom Schlossplatz aus auf den Weg machen und gemeinsam nach St. Bonifatius ziehen, dann schauen wir nicht herab auf irgendwas und irgendwen, wir schauen vielmehr zum erhöhten Christus hinauf und lassen uns von ihm für unser Leben inspirieren und bestärken.

So feiern wir dieses Fronleichnamsfest nicht als Botschaft an andere Menschen, wir feiern es vielmehr für uns selbst. Wir werden auf uns selbst zurückgeworfen: Das Fest soll uns Kraftquelle und Ansporn für das ganze Leben sein. 

Jutta Fechtig-Weinert, Pastoralreferentin