St. Bonifatius Wiesbaden

Katholisch, evangelisch, gemeinsam!

Aus dem Leben der PfarreiBenjamin Dahlhoff

Die „Ökumene“, häufig in aller Munde und gleichzeitig bleibende Herausforderung an alle Christen. Was genau ist damit gemeint?

„Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich die katholische Kirche unumkehrbar dazu verpflichtet, den Weg der Suche nach der Ökumene einzuschlagen und damit auf den Geist des Herrn zu hören, der uns lehrt, aufmerksam die ‚Zeichen der Zeit‘ zu lesen“, so schrieb der heilige Papst Johannes Paul II. 1995 in seiner Enzyklika über die Ökumene „Ut unum sint“. Am 21. November 2014 jährte sich zum 50. Mal die feierliche Verkündigung des Ökumenismusdekretes „Unitatis redintegratio“ durch das Zweite Vatikanische Konzil. Mit diesem Dokument würdigte die katholische Kirche erstmals in ihrer Geschichte offiziell die außerhalb der katholischen Kirche entstandene ökumenische Bewegung als Einheitsbewegung. Sie wird verstanden als vom Heiligen Geist gewirktes Instrument zur Wiederherstellung der Einheit aller Christen. Dabei werden das glaubwürdige Zeugnis der Katholiken ebenso wie die Notwendigkeit angemahnt, „dass die Katholiken die wahrhaft christlichen Güter aus dem gemeinsamen Erbe mit Freude anerkennen und hochschätzen“, die auch bei den anderen Konfessionen zu finden sind. 

Ökumene, insbesondere mit den evangelischen Gemeinden vor Ort, ist auch in unserer Pfarrei St. Bonifatius ein wichtiges Thema.

  • An den Kirchorten gibt es außer ökumenischen Schulgottesdiensten unter anderem in St. Andreas ökumenische Gottesdienste mit der evangelischen Matthäusgemeinde am Weltgebetstag und am Pfingstmontag.
  • In Dreifaltigkeit einen ökumenischen Kreppelkaffee und Martinszug.
  • In St. Elisabeth einen Ökumeneausschuss, einmal im Jahr einen ökumenischen Gottesdienst mit der evangelischen Kreuzkirche, gegenseitige Grußworte bei Erstkommunion und Konfirmation, Kanzeltausch sowie gemeinsame Angebote in der Erwachsenenbildung.
  • In Maria Hilf feiert man ökumenische Gottesdienste mit der evangelischen Bergkirche und Kinderbibeltag mit der Altkatholischen Friedenskirche. Auch wird an Ostern eine Osterkerze von der Maria Hilf-Kirche in die Bergkirche getragen.
  • In St. Mauritius gibt es als große Besonderheit eine ökumenische Kindertagesstätte, eine ökumenische Mahnwache für den Frieden und ein Taizégebet.
  • In St. Michael begeht man ökumenische Gottesdienste im Mai sowie am Buß- und Bettag. Außerdem gibt es einen ökumenischen Seniorenkreis und Gymnastikgruppen, Frühschichten, Passionsandachten und so weiter. Auch verfolgt man jüngst Überlegungen zu gemeinsamen Aktivitäten mit der evangelischen Johannesgemeinde im Blick auf die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Mainzer Str. 166.
  • Auf der Stadtebene kooperiert man beispielsweise beim ökumenischen Gottesdienst für verstorbene Obdachlose sowie beim ökumenischen Frauengebet in der Roncalli-Kapelle. (Die nächsten Termine sind: 26.03. / 23.04. / 21.05. / 18.06. / 24.09. / 26.11. jeweils um 19 Uhr.) Auch das jährliche Fest „Geist-Reich“ der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK), bei dem 2014 Bischof Wiesemann aus Speyer predigte, ist unbedingt zu erwähnen. In mehreren Seniorenheimen auf dem Gebiet unserer Pfarrei feiert man außerdem ökumenische Gottesdienste zu verschiedenen Anlässen.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Gott sei Dank gibt es mehr! Zu all diesen Angeboten kommt nun noch eine veränderte Initiative zwischen der Bonifatiuskirche und der Marktkirche hinzu. Diese hat nun zwei Standbeine, den ökumenischen Bibelkreis und das ökumenische Gespräch nach einem Theaterbesuch. Der ökumenische Bibelkreis findet an jedem ersten Mittwoch im Monat in der Marktkirche statt. Nach der gewohnten Abendmesse in der Bonifatiuskirche können Interessierte mit Pfarrer Gras und anderen Mitgliedern der Arbeitsgruppe Ökumene von der Bonifatiuskirche zum Haus an der Marktkirche gehen. Dort beginnt dann um 19:00 Uhr der Bibelkreis, der vom evangelischen Pfarrer Saal geleitet wird und eine Stunde dauert.

In unregelmäßigen Abständen, aber wenn möglich ein Mal im Monat, kommt als zweites Standbein eine schwerpunktmäßig kulturelle Aktivität hinzu. Das kann zum Beispiel ein Gang ins Theater (Nächster Termin: 26. Mai „Onkel Wanja“ von Anton Tschechow, Karten über das Zentrale Pfarrbüro) oder Kino mit anschließendem ökumenischem Gespräch sein. Bitte beachten Sie hierzu die Veröffentlichungen. Informationen gibt es auch gerne bei Pfarrer Gras. 

Pfarrer Stephan Gras
Bild: Pfarrer Gras und Dekan Mencke beim gemeinsamen
Friedensgebet in St. Bonifatius. 2014 B.Dahlhoff