St. Bonifatius Wiesbaden

Karsamstag

Theologie SpiritualitätBenjamin Dahlhoff

Tag der Grabesruhe

„Am Karsamstag verweilt die Kirche am Grab des Herrn und betrachtet … seinen Abstieg in das Reich des Todes. Mit Gebet und Fasten erwartet sie seine Auferstehung…“ So wird der Karsamstag unter Nummer 317 im neuen Gotteslob beschrieben.

Von wegen Grabesruhe, verweilen, fasten,  denke ich. Am Karsamstag ist auf dem Wiesbadener Wochenmarkt und in der gesamten Innenstadt  richtig was los. Jeder möchte an den Feiertagen gut versorgt sein und ein bunter Osterstrauß wäre auch schön. Nach der ausführlichen Liturgie am Gründonnerstag und Karfreitag mit Nachtwache, Kreuzverehrung und stillem Gebet zieht es die meisten Christen am Karsamstag in die alltägliche Realität der notwendigen Besorgungen. Doch einige Beter sitzen in der Bonifatiuskirche vor dem leeren, offenen  Tabernakel  still ins Gebet versunken.

Trostlos erscheinen die katholischen Kirchen am Karsamstag. Der Altar steht dunkel im Zentrum, ohne Altardecke, ohne Kerzen und Blumen. Keine Musik, keine Blumen, kein Licht, keine Hl. Messe. So leer und trostlos wie das Gemüt derer, die einen geliebten Menschen verloren haben und es noch nicht fassen können. Am Karsamstag verstummt, wer im Angesicht des leeren Tabernakel begreift: auch Jesu Tod stürzt seine Anhänger und  Vertrauten ins Bodenlose. Ihre Hoffnung und ihr Lebenssinn ist zerstört. Sie wissen nichts anderes zu tun, als den Leichnam in ein Felsengrab zu legen und die Kräuter und Öle für seine Balsamierung zu bereiten.
Vielleicht finden wir doch einen Moment zum Innehalten, um teilzuhaben am Leid derer, die damals und heute an einem Grab stehen und nicht weiter wissen. Eine halbe Stunde, um in Herz und Gedanken „am Grab Jesu“ zu stehen und uns mit ihm zu verbinden.

Marion Lindemann, Gemeindereferentin