St. Bonifatius Wiesbaden

Große und kleine Aufbrüche, im Persönlichen und in der Pfarrgemeinde

GemeindebriefBenjamin Dahlhoff

Der Sommer bietet viele Möglichkeiten, aufzubrechen.

Impuls aus dem Gemeindebrief 9/2014 von Carolin Enenkel.

Gemeindereferentin Carolin Enenkel

Gemeindereferentin Carolin Enenkel

Waren Sie im Sommer unterwegs? Haben Sie Urlaub gemacht und waren in fremden Gefilden? Haben Sie sich von Land und Leuten überraschen und mitnehmen lassen? Sind Sie aufgebrochen, um mit neuen Erfahrungen und einem Koffer voller Erlebnisse zurückzukommen? 
Immer wieder gibt es in unserem Leben Aufbrüche, große und kleine: Das erste Kind kommt in die Schule, die Familie zieht weg und fängt an einem anderen Ort neu an, wir machen uns auf zu einer längeren Reise, die Diagnose einer Krankheit verlangt eine Veränderung des Lebens… Aufbruch, das ist ein Thema, das alle Menschen beschäftigt, zu allen Zeiten und in allen Kulturen. 

Aufbruch, das ist auch ein zutiefst biblisches Thema: Abram beispielsweise wird in Gen 12 dazu aufgerufen, das Land mit seiner Familie zu verlassen und woanders neu anzufangen. Hier wird deutlich: Aufbruch, das hat auch ganz viel mit Abschied zu tun: Abram muss einen Teil seiner Familie, aber auch seine gewohnte Umgebung verlassen. Das ist der äußere Abschied. Aber der Abschied kann sich auch auf das Innere eines Menschen beziehen: Wer sein Leben verändern möchte oder muss, der nimmt Abschied von seinen bisherigen Gewohnheiten, muss sich neu einlassen und neu strukturieren. Und oftmals hat diese innere Veränderung auch eine äußere Komponente, nach und nach merkt man, dass sich auch außen etwas verändert. 

Auch in unserer Pfarrei gibt es Aufbrüche und Bewegung. Das Neue Gotteslob ist mittlerweile bei uns angekommen und in reger Benutzung, wird entdeckt und mehr und mehr schätzen gelernt. Der Pfarrgemeinderat macht sich Gedanken über die Gestaltung der Pfarrei. Ortsausschüsse überlegen, wie ihr Kirchort in Zukunft gestaltet werden kann, entwickeln eine Vision. Ganz viel geschieht bei uns, bewegt sich, wird verändert.

Gott gibt Abram die Zusicherung seines Segens mit auf den Weg. In einem Lied ist das so ausgedrückt: „Den Aufbruch wagen, auf Gott vertrauen, neue Wege gehen, auf sein Wort bauen, zieh in das Land, das ich Dir zeigen werde…“ Aufbruch bringt ganz viel Unsicherheit und auch Angst mit sich. Da tut es gut, sich diese Zusage Gottes neu bewusst zu machen und darauf zu vertrauen. Zu vertrauen, dass Gott mit uns geht, mit uns ist und unseren Weg und uns segnet. 
 „Den Aufbruch wagen, auf Gott vertrauen…“ das erlebt man auch und insbesondere bei Wallfahrten. Die Ministrantinnen und Ministranten waren dieses Jahr in Rom und haben dort intensive Erfahrungen gemacht (Mehr auf unserer Facebook-Seite).

Die Pfarrei war dieses Jahr wieder an den drei Tagen nach Fronleichnam auf Wallfahrt, dieses Mal ging es zur Heiligtumsfahrt nach Aachen. Es gab Fuß-, Rad- und Buspilger, die sich auf den Weg gemacht haben – innerlich und äußerlich. Ein Teilnehmer sagte: „Von Hause aus bin ich katholisch, doch mit der Kirche habe ich seit langer Zeit nicht viel zu tun. Aber seit ich die Pilgerfahrten der St.-Bonifatius-Gemeinde kenne, sehe ich die Kirche von einer anderen Seite: fröhliche, hilfsbereite, aufgeschlossene und trotzdem betende, fromme und andächtige Menschen sind gemeinsam unterwegs. Das gefällt mir! Seitdem bin ich jedes Jahr dabei.“ 
Eine Teilnehmerin hat die Erlebnisse und Erfahrungen in Form einer Litanei verarbeitet:

  • Wir sind glücklich, dass unser Herrgott die Berge rund um Aachen niedrig erschaffen hat.
  • Wir sind glücklich, dass Petrus uns gut begleitete.
  • Wir sind glücklich, dass Räder und Füße gut durchgehalten haben, trotz einiger Blasen.
  • Wir sind glücklich, dass das schallende Lachen junger Gemeindemitglieder uns über manche lange Strecke hinweg getragen hat.
  • Wir sind glücklich, dass Kuchen vom Fronleichnamsfest übrig geblieben war.
  • Wir sind glücklich über die Begegnung mit weißhaarigen Damen, die uns ohne Nachfrage in liebevoller Weise und mit rheinischem Singsang endlos den Weg erklärten.
  • Wir sind glücklich, dass wir den Rosenkranz so schnell beteten, dass wir sicherlich bald im Guiness-Buch der Rekorde stehen.
  • Wir sind dankbar für einfühlsame Gottesdienste mit Kaplan Radek an stimmungsvollen Orten.
  • Wir sind dankbar für seine ansteckende Fröhlichkeit und seinen überzeugenden Glauben.
  • Wir sind dankbar für Gottes Segen auf unseren Wegen.
  • Wir sind dankbar für die unglaublichen Heiligtümer von Aachen und den glaubhaften Gottesdienst im Freien vor dem ehrwürdigen Aachener Dom.

Es gibt immer wieder Aufbrüche in unserem Leben und es tut gut, von Zeit zu Zeit innezuhalten, die Aufbrüche zu betrachten. Wallfahrten sind da eine gute Möglichkeit. Wir laden Sie herzlich ein, bei unseren Pilgerfahrten mitzumachen, dabei zu sein und diese Erfahrungen mit uns zu teilen. Auch wenn Sie über Ihre Aufbrüche sprechen möchten, sind wir gerne für Sie da. Wagen wir immer wieder neu den Aufbruch und seien wir uns dabei bewusst: Gott geht mit.
Gemeindereferentin Carolin Enenkel & Hedi Seidler.


Quellennachweis: Vorschaufoto auf dieser Seite: "Hiking, Tromso" von Gunnar Hildonen, Creative Commons Lizenz CC BY-SA 2.0) via Flickr.