St. Bonifatius Wiesbaden

St. Bonifatius macht Finanzen öffentlich

Aus dem Leben der PfarreiBenjamin Dahlhoff

Als erste Kirchengemeinde im Bistum macht die Wiesbadener Kirchengemeinde ihre Finanzen öffentlich.

Die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius in Wiesbaden hatte schon im letzten Jahr angesichts der Diskussionen in Limburg beschlossen, ihre Finanzen offen zu legen. Damals war noch der heutige ständige Vertreter des Apostolischen Administrators in Limburg, Pfarrer Wolfgang Rösch, Vorsitzender des Verwaltungsrates in St. Bonifatius. „Wir haben keinen Grund, unsere finanzielle Situation vor der Öffentlichkeit zu verschweigen“, sagt Wolfgang Rösch. „Wir müssen unseren vielfältigen Aufgaben in der katholischen Kirche nachkommen und dazu gehören einfach auch Finanzmittel.“ Immerhin stehen der Kirche ja auch beachtliche Steuermittel zur Verfügung. Größere Transparenz ist geboten und wird auch von den Gläubigen und der Öffentlichkeit mit Recht gefordert.

Pfarrer Gras, gemeinsam mit dem ehemaligen Pfarrer von St. Bonifatius,. Wolfgang Rösch, sowie den Verwaltungsräten Peter Lesko und Hans-Peter Thurn, im Gespräch mit der Presse. Foto: Benjamin Dahlhoff

Pfarrer Gras, gemeinsam mit dem ehemaligen Pfarrer von St. Bonifatius,. Wolfgang Rösch, sowie den Verwaltungsräten Peter Lesko und Hans-Peter Thurn, im Gespräch mit der Presse. Foto: Benjamin Dahlhoff

Die katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius ist jetzt die erste Kirchengemeinde, die den vom Bistum eingeschlagenen Weg folgt und ihre finanzielle Situation der Öffentlichkeit präsentiert. Für den Leiter des Rentamtes, Herr Robert Klarner in Kelkheim, ist dieser Schritt der richtige Weg. „Kirche steht in der Öffentlichkeit und muss daher auch ihre Bedürfnisse und finanziellen Möglichkeiten nach außen dokumentieren.“

Pfarrer Stephan Gras sieht diesen Vorgang als konsequenten Schritt aus den Diskussionen in den letzten Monaten. So ganz neu sei die Veröffentlichung eigentlich gar nicht. Die Kirchengemeinde sei schon immer den Verpflichtungen nachgekommen, die Jahresplanungen sowie den Jahresabschluss offen zu legen. „In jedem Jahr werden unsere Planungen und das Jahresergebnis der Kirchenöffentlichkeit offen gelegt. Wer mochte, konnte sich immer an den zur Einsicht bereitliegenden Informationen auf den neuesten Stand bringen.“ Diese Möglichkeit sei allerdings nur selten genutzt worden.

Jetzt geht die Kirchengemeinde mit dieser noch umfangreicheren Veröffentlichung noch einen Schritt weiter. In einer Broschüre wurde die Bilanz und das Jahresergebnis 2013 zusammengestellt und steht in den Pfarrsekretariaten zur Mitnahme zur Verfügung.
Mit Hilfe der Zusammenstellungen, die im Wesentlichen durch das Rentamt und das Bischöfliche Ordinariat mit der dort vorhandenen Sachkenntnis erstellt wurden, kann jeder jetzt die finanziellen Verpflichtungen und das Vermögen der katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius einsehen.

Die Bilanz mit ca. 16 Millionen Euro umfasst ein Volumen, das dem eines mittelständischen Betriebes entspricht. In der Tat sind die Aufgaben der Kirchengemeinde seit dem Zusammenschluss von vier bisher selbständigen Gemeinden 2012 erheblich gewachsen. An 8 Kirchorten betreut die Gemeinde 22 360 Katholiken. 7 Kindertagesstätten und 34 Immobilien sowie 175 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfordern eine intensive Verwaltung.

Hans-Peter Thurn, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates, stellt klar, dass es vor allem Aufgabe der Kirchengemeinde ist, die pastoralen Aufgaben sicher zu stellen, Dazu müssten die notwendigen Finanzmittel bereitgestellt werden. Thurn weist auf die karitativen Aufgaben der Gemeinde hin, zu denen z.B. das Kochen für Obdachlose ebenso wie der Betrieb des Familiencafés in St. Elisabeth gehören. Kinder- und Jugendarbeit seien zu unterstützen, Seniorenarbeit, die kirchenmusikalischen Aktivitäten, pastorale Innovationen (z.B. City-Pastoral) benötigten entsprechende Finanzmittel. Und schließlich müssten hauptamtliche Mitarbeiter finanziert werden (z.B. Küster, Hausmeister, Pfarrsekretärinnen).

Herr Peter Lesko, Mitglied des Verwaltungsrates, weist darauf hin, dass die vorhandenen Immobilien natürlich unterhalten werden müssten. Kirchen, Gemeinderäume machten ständige Investitionen notwendig. Als Beispiel nennt er die Sanierung des Piushauses (ca. 600.000 Euro), die Sanierungsarbeiten an der Kirche St. Elisabeth (ca. 280.000 Euro), die Erneuerung des Daches von St. Mauritius (ca.300.000 Euro). Zwei bis drei Kindertagesstätten seien zu sanieren oder neu zu bauen, was einen hohen Eigenbetrag der Kirchengemeinde erfordere. Eine Immobilienbewertung durch ein unabhängiges Institut habe den Investitionsstau an nur 5 Immobilien auf über einer halben Million Euro beziffert. Von daher sei die vorhandene Rücklage von 4,6 Millionen Euro wohl kaum ausreichend, um den Finanzierungsbedarf in den nächsten Jahren vollständig zu decken. Die Entscheidung zu Betrieb und Unterhalt der Gebäude sei eine wichtige Aufgabe des Verwaltungsrates in der Zukunft.

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