St. Bonifatius Wiesbaden

Aufbruch in die Moderne, St. Elisabeth

Musik Kultur KircheBenjamin Dahlhoff

Innenraum von St. Elisabeth. Foto: 2013 Benjamin Dahlhoff

Ach, Sie gehören auch dazu! Acht Kirchorte - eine Gemeinschaft. Führungen durch unsere Kirchen.

Mitte der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts beginnt mit den beiden Kirchen St. Kilian und St. Elisabeth der moderne Kirchenbau In Wiesbaden. In St. Elisabeth waren es Franziskanermönche, die sich der Moderne zuwandten, ein Orden, der im Mittelalter gegründet wurde und sich nun der neuen Zeit öffnete. Ende der 20er Jahren wurden sie als Seelsorger nach Wiesbaden berufen und bauten am Zietenring zunächst ein Kloster und anschließend die Kirche. 

Regierungsbaumeister Alfred Ludwig Wahl plante sie, 1936 war die Einweihung. Sachlichkeit, Klarheit und Strenge sowie kubische Formen mit schmucklosen Mauern prägen das Bild der Kirche. Die neuen Materialien Eisen, Beton und Glas erlaubten den Bau einer Saalkirche in Skelettbauweise in einer Größe von 700 Quadratmetern. An der Nordseite fügt sich der auffallend hohe Turm an, der weit über die Häuser des Westends hinausragt. Die asketische Strenge des neuen Baustils entsprach der Lebensweise der Mönche. 

Von den Menschen der damaligen Zeit forderte er jedoch ein Umdenken, denn es war ein Abschied von Verzierungen, romantisierenden Vorstellungen und Darstellungen, die den vorangegangenen Baustil des Historismus kennzeichneten. 

Den Menschen im 21. Jahrhundert kommt dieser Baustil entgegen. Das Problem liegt heute in immer kleiner werdenden Gemeinden, für die der Kirchenraum oft heute überdimensioniert ist. Das trifft auch für St. Elisabeth zu. Durch unterschiedliche Maßnahmen hat man in den letzten Jahren versucht, dieses Problem zu meistern. So wurde die Kirche 1989/1990 durch den Architekten Klaus-Dieter Wolf grundlegend umgebaut. Im Mittelpunkt steht nun die Altar- und Kreuzigungsgruppe des Münchner Künstlers Huber Elsässer, der auch in St. Birgid tätig war.

Franziskaner sind dafür bekannt, dass sie mitten unter den Menschen leben. So bauten sie ihr Kloster mit Kirche ins Zentrum der Stadt. Franziskaner gibt es heute in St. Elisabeth schon lange nicht mehr. Dafür ist die Welt von draußen in die Kirche hineingekommen. Der Verkehr umbraust die Kirche, die auch mitten im sie umtosenden Lärm immer noch Zeugnis von Jesus Christus abgibt. Mancher, der sie umrundet, wird vielleicht erinnert, dass es neben der lauten noch eine andere, eine stille, eine verborgene Welt gibt.

Hedi Seidler, Kirche und Kultur 

Führung: Samstag, den 18. Januar, 15:00 Uhr mit Vera Schade