St. Bonifatius Wiesbaden

Mit gutem Segen auf neuen Wegen

GemeindebriefPhilippe Jaeck

Endlich ist er da: der Sommer! Wenn die Tage länger werden und die Sonne die Natur in ein goldenes Licht taucht, erwacht das Leben um uns herum. Es ist die Zeit der warmen Abendluft, des Eisessens am Nachmittag und der lauen Nächte, die sich wie pure Freiheit anfühlen. Der Alltag verliert an Schwere; die Zeit scheint stillzustehen, wenn man barfuß durch das Gras läuft oder am Wasser sitzt.

Alles blüht und duftet. Beeren und Kirschen sind reif, das Zirpen der Grillen und das Zwitschern der Vögel begleiten unsere Tage. Es sind die kleinen Dinge, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

„Sommer ist, wenn die Seele lächelt.“

Wenn wir die Koffer packen und uns auf den Weg machen, lassen wir das Vertraute hinter uns. Urlaub und Reisen schenken uns die wunderbare Gelegenheit, die Vielfalt der Welt zu bestaunen. Wir entdecken neue Orte, faszinierende Landschaften, fremde Kulturen und begegnen Menschen, die unseren Horizont erweitern. Jedes neue Ziel weckt unsere Neugier und schenkt uns Momente des Staunens über die Schönheit der Schöpfung.

Doch so intensiv wir uns auf das Unbekannte einlassen, so ist es wichtig, das Fundament unseres Lebens im Gepäck nicht zu verlieren. Im Gegenteil: Während wir äußere Wege gehen, dürfen wir Christus bewahren. Ihn zu bewahren bedeutet, im Trubel des Reisefestivals oder der Stille auf einer einsamen Bergspitze zu wissen: „Ich bin nicht allein!“ Seine Worte, seine Liebe und sein Frieden sind der innere Kompass der uns leitet, ganz egal, wie weit wir von zu Hause entfernt sind. Christus im Herzen zu tragen schenkt uns Geborgenheit an jedem fremden Ort und lässt uns die Welt mit offenen Augen sehen.

So hat es auch J. Sawaski auf seiner Reise erfahren. Er ist freischaffender Grafikdesigner und arbeitet in einem Büro, um Aufträge von Kunden abzuarbeiten. Doch er fragt sich: „Ist das schon alles?“ Sawaski setzt sich selbst eine Challenge. Er wird mit dem Fahrrad durch Deutschland – von Flensburg bis zum Bodensee - fahren, ohne Geld. Eine Reise, die zeigt, wie viel Solidarität und Menschlichkeit es in Deutschland gibt. Er lebt von dem, was Supermärkte wegwerfen, schläft auf Friedhöfen oder in der freien Natur und lernt, wie wenig man zum Glücklichsein braucht. Er erfährt, wie gastfreundlich viele Menschen sind und wie viel Nächstenliebe er bekommt. Sawaski will dies zurückgeben und beschließt: für jeden Tag, den er durchhält, spendet er 10€ an die Wärmestube in Osnabrück. Hat Sawaski das erfahren, was Jesus damals seinen Aposteln auf den Weg gegeben hat, als er sie aussandte?

„Ite, missa est. Geht, ihr seid gesandt“

Diese Worte sind mehr als ein Abschied. Sie sind ein Auftrag. Wir treten hinaus aus den Mauern der Kirche, um das, was wir empfangen haben, weiterzugeben: Liebe, Hoffnung, Frieden. Jeder Schritt wird zur Botschaft, jedes Wort zum Zeugnis. Wir sind Gesandte – heute, hier, jetzt.

Gottes Wort ist nicht nur eine alte Schrift, sondern eine Kraft, die heute noch Menschen verändert. Es tröstet in schweren Zeiten, ermutigt zu einem neuen Anfang und ruft dazu auf, Gerechtigkeit und Frieden zu suchen. Wer es verkündet, wird selbst Teil dieser Bewegung – ein Bote, der Licht in die Dunkelheit trägt.

„Geht, ihr seid gesandt!“ Jesus sendet die Apostel nicht als Einzelkämpfer, sondern in Gemeinschaft aus. Dies betont die Bedeutung von gegenseitiger Unterstützung, Ermutigung und Zeugenschaft. Ihr Auftrag ist klar: das Reich Gottes verkünden, Kranke heilen, Frieden bringen und den Menschen Hoffnung schenken. Dabei sollen sie nicht auf materiellen Reichtum oder eigene Sicherheit vertrauen, sondern auf Gottes Fürsorge und die Gastfreundschaft derer, die ihre Botschaft hören. (Matthäus 10, 1-15)

Die Aussendung ist mehr als ein historisches Ereignis – sie ist ein bleibender Auftrag. Sie erinnert daran, dass Glaube nicht nur im Herzen bewahrt, sondern auch geteilt werden soll. Jeder Gläubige ist eingeladen, im eigenen Umfeld „Apostel“ zu sein: durch Worte, Taten und ein Leben, das von Liebe und Barmherzigkeit geprägt ist.

In einer Welt, die von unterschiedlichen Überzeugungen geprägt ist, bedeutet das Verkünden des Glaubens auch, respektvoll zuzuhören und Brücken zu bauen. Es lädt dazu ein, den eigenen Standpunkt klar zu bekennen, ohne den anderen zu verurteilen. So wird der Glaube nicht als starre Vorschrift, sondern als lebendige Kraft erfahrbar – eine Kraft, die Hoffnung schenkt, Gemeinschaft stiftet und Herzen berührt.

Beim Aussendungssegen geht es nicht um einen magischen Schutzschild gegen jeden Stau oder verspäteten Flug. Er ist vielmehr das sichtbare und spürbare Versprechen, dass wir Gottes Gegenwart nicht zu Hause zurücklassen. Wenn wir ausgesandt werden, gehen wir nicht allein. Der Segen ist der Proviant für die Seele, der uns spüren lässt: Ganz egal, wie weit der Weg ist, wie fremd der Ort wird oder welche unvorhergesehenen Pfade wir betreten – wir stehen unter einem guten Schutz.

Gehen Sie behütet, sammeln Sie kostbare Momente, verkünden Sie unseren Glauben und kehren Sie reich beschenkt an Erinnerungen wieder zu uns zurück.

Der Segen Gottes soll sich in unserem Gesicht spiegeln, wenn wir anderen Menschen begegnen. Unsere Worte können ein Segen für andere sein – aber sie verändern auch uns selbst. Das wünsche ich uns!

Pfarrer Dr. Peter Šoltés