Das Heilige Jahr ist zu Ende. Denn an Weihnachten wurden die Heiligen Pforten wieder geschlossen, wir besuchen auf der virtuellen Pilgerreise noch die letzten beiden der sieben Pilgerkirchen.
San Sebastiano
Um zur ersten der beiden Kirchen zu kommen, müssen wir auf der berühmten römischen Straße Via Appia aufs Land. Zwar gehört der Bereich heute zum Stadtgebiet, doch liegt unsere Pilgerkirche auf ländlichem Gelände. Dort, wo die Via delle Sette Chiese (Straße der Sieben [Pilger]Kirchen!) auf die Via Appia Antica mündet, steht die Kirche San Sebastiano fuori le Mura oder ad Catacumbas.
Heiliger Sebastian
Sebastian stammte wohl aus Mailand und machte eine militärische Karriere, die ihn bis zum Offizier der kaiserlichen Garde gebracht hatte. Er bekannte sich öffentlich zum Christentum. Das brachte ihm das Todesurteil durch Kaiser Diokletian ein. Er sollte von der Elitetruppe der Numidischen Bogenschützen erschossen werden. Der mit Pfeilen durchschossene Sebastian wurde später zum beliebten Motiv der Kunstgeschichte. Doch hatte er das überlebt. Er wurde gesund gepflegt, stellte sich darauf wieder dem Kaiser entgegen und wurde dann mit Keulen erschlagen. Er wurde in der Katakombe, die heute seinen Namen trägt, beigesetzt. Im 4. Jahrhundert wurde dann darüber die Kirche errichtet.
Katakomben
Es gibt die Vorstellung, die Katakomben wären als Orte unter der Erde entstanden, weil sich die Christen dort vor der Verfolgung verborgen hätten, dort Gottesdienst feierten und ihre Toten bestattet haben. Das Letztere davon stimmt. Katakomben entstanden aus ganz praktischen Gründen. Es bestand im antiken Rom im ganzen Stadtgebiet das Verbot der Bestattung von Toten. Deshalb waren alle Ausfallstraßen, wie eben die Via Appia, gesäumt von Grabmälern und Mausoleen. Es waren natürlich nur Grabstätten der Reichen, die obererdig Platz hatten. Deshalb hatte man überall um die Stadt Gänge in die Erde gegraben. Dort wurden dann in Grabkammern, zumeist aber in Nischen in den Wänden, die Toten bestattet. Dass zumeist Christen, aber nicht nur Christen, die Katakomben nutzten, lag daran, dass eine Feuerbestattung für Christen damals in Betracht kam. Urnen durften innerhalb der Stadt in Kolumbarien aufgestellt werden. Katakomben wurden also nicht als Zufluchtsorte geschaffen. Dort wurden zwar Gottesdienste gefeiert, aber ausschließlich zur Bestattung.
Versammlungen und Eucharistiefeiern fanden in Privathäusern statt.
San Lorenzo
Machen wir uns auf den Weg zur letzten der Pilgerkirchen. Vom Bahnhof Termini gehen wir durch das gleichnamige Quartier. Es ist ein sehr lebendiger Stadtteil, ursprünglich und wenig touristisch. Es finden sich erstmal keine besonderen Baudenkmäler. Die meisten Gebäude, auch z.B. die Stadtteilkirche, stammen aus der Mitte des 20 Jahrhunderts. Wenn wir das Quartier durchquert haben, erinnert uns die überlebensgroße Staue Pius XII., der segnend die Arme ausbreitet, an den Grund dafür. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Viertel bombardiert. Als Pius davon erfuhr, verließ er den Vatikan, um den Betroffenen Trost zu spenden. Das war nicht irgendwas. Nicht nur, weil es gar nicht der Stil des Papstes war, einfach den Vatikan zu verlassen. Rom war von Nazideutschland besetzt und der Vatikan von den Besatzern abgeriegelt. Er hatte sich damit in persönliche Gefahr begeben!
Hinter dem Denkmal taucht dann der Eingang zum alten Zentralfriedhof Campo Verano auf.
Links daneben finden wir unser Pilgerziel, die Basilika San Lorenzo fuori le mura.
Heiliger Laurentius
Laurentius, sein Name weist wahrscheinlich auf seine Herkunft, der Stadt Laurentum südlich von Rom, hin. Er war Diakon und wurde von Papst Sixtus II. mit der Verwaltung des Kirchenvermögens betraut, mit dem Auftrag, damit die Armen zu unterstützen. Er war damit, mit heutigen Begriffen, Verwaltungsleiter und Leiter der Caritas zugleich. Als der Papst auf Anordnung Kaiser Valerians enthauptet wurde, wurde Laurentius verhaftet. Ihm wurde befohlen, das Kirchenvermögen innerhalb von drei Tagen abzuliefern. Er nutzte die Frist, alles an die Armen zu verteilen. Zum Termin erschien er mit Armen, Behinderten, Kranken, Witwen und Waisen mit den Worten: „Das ist der Schatz der Kirche!“. Er wurde gefoltert und auf einem glühenden Rost getötet. Dieser Rost ist zum Attribut auf den Darstellungen des Heiligen geworden. Soweit die Überlieferung. Später lässt die Legende ihn im Martyrium sogar scherzen. Er soll seinen Henkern gesagt haben: „Dreht mich um, auf dieser Seite bin ich gar.“.
Campo Verano
Noch ein Wort zum alten Zentralfriedhof. Das prominenteste Grabmal dort ist für Giuseppe Garibaldi, der in den Kämpfen zur Nationalstaatswerdung im 19. Jahrhundert eine große Rolle gespielt hat. Er war auch an der Vertreibung von Papst Pius IX. und der kurzlebigen Römischen Republik 1849 beteiligt.
Papst Leo XIV. hat dieses Jahr die Tradition, auf dem Campo Verano am Allerseelentag einen Gottesdienst zu feiern, wieder aufleben lassen. Papst Franziskus hatte teilweise auch andere Friedhöfe besucht.
Mit dem Besuch von San Lorenzo beenden wir unsere Pilgerreise zum Heiligen Jahr in Rom, mit den Besuchen von besonderen Pilgerorten, begleitet von besonderen Pilgern der Hoffnung. Das ordentliche Heilige Jahr endet an Weihnachten, die Heiligen Pforten werden wieder geschlossen, bis sie 2033 zum außerordentlichen Heiligen Jahr der Erlösung, 2000 Jahre nach der Erlösung durch Leiden, Tod und Auferstehung Christi, wieder geöffnet werden. 1000 Jahre nach dem ersten Heiligen Jahr der Erlösung. 2050 ist dann wieder das nächste ordentliche Heilige Jahr.
Auch wenn die Heiligen Pforten wieder geschlossen sind, kann für uns das Heilige Jahr weitergehen, mit einem Leben als Pilger der Hoffnung.
Pfarrer Matthias Ohlig
Fotos: Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=115262426
Joachim Schäfer / www.heiligenlexikon.de
Pfarrer Matthias Ohlig