St. Bonifatius Wiesbaden

Rückblick: Pastoralwerkstatt in Hofheim

Aus dem Leben der PfarreiBenjamin Dahlhoff


500 Gläubige aus dem Bistum tauschen sich aus

Ein paar Wochen vor dem Start der Pastoralwerkstatt halte ich die erste Einladung in den Händen. Es ist ein Flyer, der für die Pastoralwerkstatt in Hofheim am 11. Juni 2016 wirbt - ich verstehe die Idee dahinter nicht direkt und lege ihn zur Seite. Irgendwann wird mir bewusst, was für eine großartige Möglichkeit diese Einladung sein könnte und melde mich kurzfristig noch an. 
Die Vorstellung einen Tag lang darüber zu sprechen, welche Gedanken und Ideen die Menschen im Bistum bewegen, stelle ich mir reizvoll vor. Wie klappt es anderswo mit den neuen, großen Pfarreien? Welche Wege haben sich als gut erwiesen? Ich bin gespannt, ob es um diese Fragen gehen wird; oder was werden die Themen dieses Tages sein? Wie kann ein Austausch mit gut 500 Teilnehmer überhaupt funktionieren? 

Es ist ein sonniger Samstag, als ich in Hofheim eintreffe. Schnell ist der Veranstaltungsort, die Stadthalle, erreicht. Vor der Tür finden erste Interviews vor der Fahne des Bistums statt - einzelne Teilnehmer werden bereits zu Ihren Erwartungen an diesen Tag befragt. Innen zeigt sich, dass der Tag generalstabsmäßig organisiert ist. Das Café Mobile einer nahen Kirchengemeinde verwöhnt die Ankommenden mit Kaffeespezialitäten und schon startet das Programm. Die Begrüßung wird durch ein spritziges Stück des Improtheaters IMPROZESS, welches uns durch den Tag begleitet, unterstützt. 

Besonders die einfachen und eindringlichen Worte des Weihbischofs Manfred Grohte (zur Zeit Apostolischer Administrator) beeindrucken mich sehr. So spricht er etwa von der Zumutung für die neuen Pfarreien durch neue Grenzziehungen; von der Notwendigkeit der Begegnungen miteinander, um einander zu verstehen. Er fragt: Was ist die Zukunft der Kirche? Wie kann es weitergehen? Was sind die Ziele? Wie denken die Teilnehmer der Pastoralwerkstatt über die Kirche von Morgen? Haben wir (in Limburg) die Menschen verstanden, und was erwarten diese von Limburg? Was sind die Erwartungen der Gläubigen? Er ermuntert zu einem respektvollen und offenen Umgang miteinander. Auch wenn noch kein neuer Bischof gefunden sei, solle das Nachdenken über die Themen, die das Bistum beschäftigen, weitergehen. Auch alle Gedanken und Vorschläge dieses Tages sollten Gehör finden. 

Das hört sich gut an, denke ich mir und bin gespannt, was nun folgt. Insbesondere bei der Frage des Weihbischofs: Was erwarten die Gläubigen? komme ich arg ins Nachdenken - das sind so ganz andere Töne, als man sonst manchmal hört - und dabei in einer so einfachen und demutsvollen Art vorgetragen.

Und dann geht es los mit dem Zuhören, Diskutieren, Fragen stellen. Weiter zu den zentralen Anliegen dieses Tages, der sich als Auftakt versteht: Was ist für die Zukunft wichtig und welches Potential gibt es? Fragen stellen und diskutieren konnte man in drei unterschiedlichen Themenforen bzw. an 14 Themenständen. Hier möchte ich von einem Themenforum und einem Themenstand berichten: Bewusst hatte ich das ‚Offene Themenforum‘ gewählt. Hier ging es darum, alle die Themen anzusprechen, die bisher noch nicht genügend im Blick gewesen waren.

Rede und Antwort standen in diesem Forum die Hauptamtlichen Domkapitular Wolfgang Rösch und die Vorsitzende des Diözesanrats, Ingeborg Schillai. Hier ging es um ganz unterschiedliche Aspekte. Während ein Teilnehmer vehement mehr Engagement für die Arbeitnehmer als solche einforderte, beschäftigte die nächste Teilnehmerin die Abwesenheit der jungen Leute bei dieser Veranstaltung. Diese waren, wie auch oftmals in den Gottesdiensten, hier ziemlich rar gesät.

Nach einer lebhaften Stunde wechselte ich zu einem der Themenstände: Die Pfarrei St. Ursula in Oberursel und Steinbach ist seit 2012 auf dem Weg, sich eine Vision als Leitstern und Zukunftsbild zu geben. Ein Visionsprozess für eine Kirchengemeinde, die eine gemeinsam geteilte Vision mit möglichst vielen Menschen zum Ziel hat - so etwas hatte ich bis dahin noch nicht gehört. Die Menschen aus St. Ursula ließen uns Anteil nehmen an den Schritten, die sie bis heute gegangen sind. Das Rezept dahinter: Kontakt aufnehmen zu vielen Menschen in ihrer Gemeinde, sowie außerhalb, um ihnen Fragen zu stellen und zuzuhören. Mit einem Fragebogen, bestehend aus vierzehn offenen Fragen, bezüglich Alltag, Nachbarschaft und Gemeinschaft, Leben, Kirche vor Ort und Glaube, wurden 350 Menschen jeglichen Alters befragt. Diese Antworten sind ein Grundstein des Visionsprozesses. Man kann also auch auf diese Art in einer Gemeinde miteinander agieren. Es gab noch viele weitere spannende Themen - kurz habe ich noch bei der Stadtkirche Frankfurt hineingeschaut. Diese hat im Januar 2016 ein Stadtkirchenforum initiiert, bei dem 200 Gläubige über die Reformvorhaben der Stadtkirche beraten haben und Ihre Überlegungen an den Stadtsynodalrat als Empfehlung weitergaben. So befürworten sie z.B. eine Segensfeier für alle Paare. Darunter verstehen sie auch ausdrücklich unverheiratete, gleichgeschlechtliche und wiederverheiratete geschiedene Paare. Ich frage mich, ob Jesus etwas dagegen habt hätte. Ebenso gut hat mir die Gemeinde gefallen, an der ein Kirchort durch drei ehrenamtlich Tätige geleitet wird - es scheint doch Vieles möglich zu sein. 

Die Zeit war leider zu kurz, um alle Themen aufzunehmen. Nach einem sehr anregenden und informativen Vormittag, ging es am Nachtag darum, die Thesen aus den Themenforen allen Teilnehmern vorzustellen. Alle Teilnehmer hatten jetzt die Möglichkeit, per grüner oder roter Karte Zustimmung oder Ablehnung zu signalisieren - dadurch zeigte sich zumindest ein erstes Stimmungsbild. Der Abschluss dieser kreativen Werkstatt bildete ein schlichter und eindringlicher Gottesdienst mit Weihbischof Manfred Grothe. 

Mit vielen Eindrücken und Gedanken bin ich Hause zurück und hoffe darauf, dass es weitergeht mit unserem Bistum und seinem Prozess der Kirchenentwicklung. Den ersten Newsletter der Organisatoren habe ich gerade in meinem Briefkasten gefunden. - Rita Nitze