St. Bonifatius Wiesbaden

Heiligsprechungen zweier Inder

Theologie SpiritualitätBenjamin Dahlhoff

Ein zweites großes Ereignis im Herbst für die Christen in Indien.

Liebe Mitchristen. Das Jahr 2008 war für uns indische Christen ein ganz besonderes Jahr: Papst Benedikt XVI. hat die selige Alphonsa heiliggesprochen, unsere erste indische Heilige, auf die wir sehr stolz sind. Nun folgt für uns  im Herbst ein zweites großes Ereignis: Am 23. November 2014, dem Christkönigsfest, wird Papst Franziskus sechs Menschen heilig sprechen, davon sind vier Italiener und zu meiner ganz großen Freude zwei Inder: der selige Kuriakose Elias Chavara und die selige Euphrasia. Diese beiden Vorbilder christlicher Lebensführung möchte ich Ihnen kurz vorstellen.

Der selige Kuriakose Elias Chavara 1805 in Kerala im Süden Indiens geboren trat 1818 Chavara ins Priesterseminar ein. 1829 wurde er zum Priester geweiht. 1831 gründet er die Kongregation der Karmeliter der unbefleckten Empfängnis Mariens (CMI). Diese umfasst heute ca. 3000 Mitglieder in 27 Ländern. 1855 legte er sein religiöses Gelübde ab und 1866 gründet er die Kongregation der Karmeliterinnen – Kongregation vom Berge Karmel (CMC). Letztere hat heute ca. 7000 Mitglieder. 1871 starb er im Alter von 66 Jahren und wurde 1986 durch Papst Johannes Paul II selig gesprochen. Sein Gedenktag in der Liturgie ist der 3. Januar. Er war ein großer Beter und meditierte stets über die Liebe und Barmherzigkeit Gottes. Als großer Marienverehrer war ihm die Gottesmutter immer Vorbild und Vermittlerin. Herausragend waren seine Leistungen als fortschrittlicher und weitblickender Sozialreformer. Er betrachtete Bildung als Mittel gegen Armut und für sozialen Aufschwung. Er gründete erstmalig Schulen, die jeder unabhängig von Kaste, Glaube oder Hautfarbe gemeinsam besuchen konnte. Außerdem gründete er mehrere Seminare für die umfassende Ausbildung von Priestern, sowie Heime für alte, kranke, mittellose Menschen. Ich bin stolz, dass dieser fromme und so sozial eingestellte Mensch der Gründer meines Ordens ist.

Die selige Euphrasia wurde 1877 in Kerala im Süden Indiens geboren. 1897 trat sie in den Orden der Karmeliterinnen CMC (gegründet von K.E Chavara) ein. Sie starb 1952 im Alter von 75 Jahren. Ihr Gedenktag in der Liturgie ist der 29. August. Nach einer Vision der Gottesmutter entschied sie, sich im Kloster ganz Gott zu weihen. Sie wurde Generaloberin des Ordens, zog sich aber bald von allen Ämtern zurück, um in Demut und Bescheidenheit niedrigste Dienste auszuüben und aufopfernd die Cholerakranken zu pflegen. Sie führte ein mystisches Leben und verbrachte jede freie Minute im Gebet. Man nannte sie deshalb „Mutter Tabernakel“. 2006 wurde sie durch Papst Johannes Paul II selig gesprochen.

Pater Joseph Kovathuparambil