Ob wohl viele Menschen aus unseren Gemeinden wissen, dass das stadtbekannte Sankt Josefs-Hospital zu Beginn dort stand, wo heute das Roncalli-Haus steht und wie sehr seine Geschichte mit St. Bonifatius verbunden ist? Ich möchte Ihnen eine gute Gelegenheit vorstellen, diese tiefe Verbindung näher zu erkunden! Im September 2026 wird das St. Josefs-Hospital 150 Jahre alt. Gleichzeitig feiern die „Dernbacher Schwestern“ der Heiligen Mutter Katharina Kasper, die es 1876 gegründet haben, ihr 175-jähriges Ordensjubiläum. Bis 2014 wurde das „JoHo“, wie es im Wiesbadener Volksmund heißt, auch von Nonnen aus diesem Orden geleitet, in einigen Anfangsjahren bald nach der Gründung sogar von Katharina Kasper höchstselbst.
Das Jubiläum nahm die „St. Josefs-Hospital Wiesbaden – Stiftung“, der heutige Träger des immer noch katholischen Krankenhauses, zum Anlass, im Wiesbadener Reichert-Verlag eine umfassende, reich bebilderte Chronik des Hauses herauszubringen: „Einfach gut sein – Die Geschichte des St. Josefs-Hospitals in Wiesbaden“ (ca. 280 Seiten). Die ehemalige Leiterin des Wiesbadener Stadtarchivs, Dr. Brigitte Streich, ist die Autorin. Gleichzeitig war es den Herausgebern wichtig, mit dieser Chronik auch einen Blick auf die „Geschichte der Katholiken in Wiesbaden“ (seit der Reformation) zu werfen, in die sich die Entwicklung des Hospitals einordnet. In der Form eines Essays durfte ich diesen Teil zur Chronik beitragen.
Beides, die konkrete Geschichte des St. Josefs-Hospitals wie die Zeitabläufe, die sie umgeben, lesen sich hochspannend, manchmal fast wie ein Krimi! Und die jeweiligen Pfarrer, oft auch zusätzlich ein Kaplan der Bonifatiuskirche, waren immer wesentliche Bezugspersonen für die Leitung des Hauses, oft mit Vorgesetztenfunktion. Die bis heute intensive, wechselseitige Verbindung zwischen dem Stadtpfarrer und dem Krankenhaus weist das JoHo als besonderen Ort christlich-katholischen Lebens in unserer Stadtgesellschaft aus. Dessen könnten wir uns auch als Kirchengemeinden noch mehr bewusst sein. Erst recht, wenn uns das Roncalli-Haus als bisheriger Kulminationspunkt katholischen Lebens bald verloren geht …
Wie die Dernbacher Schwestern überhaupt nach Wiesbaden kamen, wann aus ihrer zunächst häuslichen Krankenpflege ein Hospital wurde, wie es dann an den Langenbeckplatz wanderte und die drei Jahre jüngeren „Städtischen Kliniken“ an der Schwalbacher Straße z.B. in Bezug auf neue Entwicklungen zur Hygiene deutlich überrundete… und sich bis heute immer weiter zu einer der gefragtesten Kliniken in Hessen (teilweise auch in Deutschland) entwickelt …
Aber auch wie es nur langsam und beschwerlich zur ersten katholischen Gemeinde in Wiesbaden nach der Reformation kam; dann zur ersten Bonifatiuskirche, die in der Nacht vor ihrer Einweihung jämmerlich in sich zusammenstürzte (mit der quasi Erstveröffentlichung einer grafischen Reproduktion ihres Erscheinungsbildes!) und wie stark in Wiesbaden seit nassauischen Zeiten ökumenische Bestrebungen und Kontakte waren – 150 Jahre spannende Orts- und Regionalgeschichte, die ich allen Wiesbadenerinnen und Wiesbadenern, besonders aber den Mitgliedern unserer Kirchengemeinden sehr warm ans Herz legen möchte!
150 Jahre St. Josefs-Hospital in Wiesbaden – guter Anlass und beste Gelegenheit allen Menschen, die diese Einrichtung heute tragen und in der Vergangenheit zu dem gemacht haben, was sie heute ist, von ganzem Herzen Dankeschön zu sagen und dem Haus weiter Gottes Geleit und eine gedeihliche Zukunft zu wünschen! Joho, wir sind stolz auf Dich!
Stefan Herok, PastoralrefeRentner
Bilder: Archiv Dernbacher Schwestern , Reichert Verlag, Stadtarchiv