St. Bonifatius Wiesbaden

Armut

Ökumenische Amos-Stiftung für Arme und Ausgestoßene vergibt Preise

Gemeindebrief, Musik Kultur KirchePhilippe Jaeck

Im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes am 16. September 2018 um 9:30 Uhr in St. Andreas wird der Vorstand der Amos-Stiftung vier Preisträger auszeichnen.

Die ökumenische Stiftung wurde 2014 unter dem Dach des Evangelischen Dekanats Wiesbaden gegründet. Sie ist aus der „Wiesbadener Ökumenischen Wohnhilfe“ hervorgegangen, die 1992 mit Einlagen von 31 Kirchengemeinden und Einzelpersonen entstand. Von dem Kapital wurden damals Wohnungen gekauft, die bedarfsweise Flüchtlingen zur Verfügung gestellt wurden. 2011 wurde die Liquidierung der Stiftung beschlossen, da zu diesem Zeitpunkt kein Bedarf für diese Wohnungen mehr gesehen wurde.

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Um den Gedanken, Bedürftigen zu helfen, beizubehalten, entstand die Idee, eine Stiftung für Arme und Ausgegrenzte zu gründen. Der Großteil der ursprünglichen Gesellschafter der Wohnhilfe hat seine Anteile zur Verfügung gestellt, so dass auf ein Stiftungsvermögen von inzwischen 86.000 Euro aufgebaut werden kann.

Die Stiftung definiert ihre Arbeit für Arme und Ausgegrenzte in Wiesbaden darüber, dass sie Initiativen, Vereine und Projekte finanziell unterstützt, die sich für diese Zielgruppe einsetzen. Das kann eine Hausaufgabenhilfe, z. B. für Flüchtlingskinder, sein, eine Anlaufstelle für Menschen, die auf irgendeine Weise in Not geraten sind, oder auch ein Arbeitskreis in einer Kirchengemeinde.

Alle zwei Jahre entscheidet der Stiftungsvorstand auf der Basis der eingereichten Vorschläge über die Vergabe des Fördergeldes, das aus den Zinsen des Stiftungskapitals erwirtschaftet wurde. In diesem Jahr sind dies 3600 Euro, die in Höhe von jeweils 900 Euro an vier Preisträger vergeben werden.

Die diesjährigen Preisträger sind:

Jugendkunstschule „Kunst-Koffer“

Seit 2004 folgt die mobile Jugendkunstschule Kunst-Koffer der Idee, Kinder individuell über künstlerische Mittel in ihrem direkten Lebensumfeld zu fördern. Die mobile Jugendkunstschule kommt kostenfrei mit einem offenen Angebot auf Spielplätze, Schulhöfe, Gehwege und in Grünanlagen.

Teestube des Diakonischen Werkes

Die Teestube des Diakonischen Werkes Wiesbaden ist ein Tagesaufenthalt und eine Fachberatungsstelle für wohnungslose und sozial ausgegrenzte Menschen in der Wiesbadener Innenstadt. Täglich kommen etwa 120 Rat- und Hilfesuchende in die Teestube. Hier finden Menschen Hilfe: Essen, Kleidung, Toilette, Dusche, Waschmaschine, medizinische Hilfe durch vier Allgemeinmediziner und vier Zahnärzte, die immer mittwochs nachmittags, der Teestube ehrenamtlich helfen, vier Sozialarbeiter beraten und helfen.

Beratungsstelle „wif“ für Frauen und Mädchen

Das „wif– Begegnung & Beratung“ ist eine sozialintegrative Anlaufstelle für Frauen und Mädchen. Die Zielgruppe sind Frauen und Mädchen mit Fluchterfahrung oder Migrationsgeschichte, die vorwiegend aus den bildungs- und sozialbenachteiligten Bereichen der Gesellschaft stammen. Die Altersstruktur ist gemischt und bewegt sich zwischen 27 und 58 Jahren. Der Anteil an Müttern, oft Alleinerziehenden, überwiegt.

Verein „NeW“

Der Verein ist eine Beratungsstelle für traumatisierte geflüchtete Menschen in Wiesbaden. NeW bietet ein Angebot des Psychosozialen Zentrums Süd der Werkgemeinschaft Rehabilitation Wiesbaden. Die Zielgruppe der Beratungsstelle sind Menschen, die aufgrund verschiedenster Problemlagen aus ihren Heimatländern fliehen mussten und nun in Wiesbaden angekommen sind. Erlebnisse vor, während und nach der Flucht können (auch zeitversetzt) bei betroffenen Menschen Beschwerden auslösen, die sie nicht einordnen und erklären können. Ziel der Beratungsstelle ist es, in solchen Situationen unterstützend und stabilisierend zu begleiten und aufzuklären, um so die Menschen zu befähigen, ihr Leben wieder selbstbestimmt in die eigene Hand zu nehmen, und zu einer erfolgreichen Integration beizutragen.

Übrigens, wie kamen wir auf den Namensgeber der Stiftung? Amos war ein Prophet im Alten Testament, der damals im Nordreich Israels die soziale Ungleichheit in der Gesellschaft beklagte. Seine Sozialkritik trifft genauso auf unsere Gesellschaft heute zu.

Dietmar Horsmann