Mit Beginn des Herbstes kann man wieder kleine und große Zugvögel dabei beobachten, wie sie wegziehen. Ein Vogel, der sich, wenn überhaupt, in kurzen Stecken von seinem Brutgebiet entfernt, ist der Zaunkönig. Er ist ein kleiner, unscheinbarer, brauner Vogel, aber mit einem Ruf, der es in sich hat. Hat man die Gelegenheit, ihn näher zu betrachten, kann man erkennen, dass er in verschiedenen Brauntönen befiedert ist. Die äußerste Feder der Handschwinge ist sogar cremefarben mit brauner Bänderung. Es lohnt sich hier, genauer hinzuschauen. Dem Heiligen Franziskus wird durch eine Legende nachgesagt, dass er den Vögeln gepredigt hat. Auch andere Legenden beschreiben seinen besonderen Umgang mit den Tieren. Und wie es bei einer Legende üblich ist, gibt es einen wahren Kern. Franziskus hat die Schöpfung bestimmt genauer betrachtet, wie der von ihm geschriebene Sonnengesang vermuten lässt. Mit der geschwisterlichen Anrede für die Sonne und den Mond zeigt er eine Verbundenheit zur Schöpfung, die für das 13. Jahrhundert außergewöhnlich war. Franziskus lobt im Sonnengesang zusammen mit den Gestirnen, der Erde und mit den Elementen sowie mit dem Tod selbst Gott. Dieses Lob dehnt sich auf die gesamte Natur aus.
Passend zum Sonnengesang begeht die Katholische Kirche am 4. Oktober 2026 den 800sten Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi, der für uns, wie durch die Deutsche Bischofskonferenz festgelegt ist, mit Erntedank zusammenfällt. Der 1181/82 in Assisi geborene Sohn einer vermögenden Tuchhändlerfamilie, mit dem Namen Giovanni Bernardones, später Francesco (der kleine Franzose), hat ein intensives Leben geführt. In jungen Jahren hat Franziskus sein Leben zusammen mit seinen Freunden in vollen Zügen genossen. Mit ihnen ist er, wie in seiner Zeit üblich, ritterlich in den Städtekrieg zwischen Assisi und Perugia gezogen. Franziskus wurde gefangen genommen. Dies hat Franziskus krank gemacht, für sein Leben durch eine fortwährende Schwäche gezeichnet und ihn verändert. Angestoßen durch eine Vision Jesu vom Kreuz mit der für Franziskus bedeutsamen Aussage: “Stell mein verfallenes Haus wieder her!” hat der Heilige eine deutliche Umkehr seines Lebens vollzogen. Dies war nach Ansicht des Heiligen ein Geschenk und eine Gabe Gottes. Der 25-jährige Franziskus ist mit Entschiedenheit in die radikale Nachfolge Jesu eingetreten. Er ist aus seinem alten Leben ausgestiegen, um in Armut, Buße und Askese zu leben. Überdies hat sich Franz von Assisi ganz und gar den an Lepra erkrankten Ausgestoßenen zugewendet. Männer wie Frauen sind ihm seiner Zeit gefolgt, woraus verschiedene Orden hervorgegangen sind, zum Beispiel die Minoriten, die Kapuziner, die Franziskaner oder die Klarissen, die nach der Regel der Heiligen Klara von Assisi leben. Für die ersten Gemeinschaften, die sich um Franziskus herum gebildet hatten, holte er sich 1210 eine päpstliche Erlaubnis ein. Vor seinem Tod am 3. Oktober 1226 diktierte der Heilige Franz von Assisi sein Testament, in welchem er seine Mitbrüder anwies, in Armut und ohne Besitz wie Kirchen und Gebäuden zu leben. Er forderte sie auf, wie Pilger zu sein, und mahnte zum schlichten Gebet sowie zur Treue gegenüber der Kirche.
Dr. Gotthard Fuchs, Priester des Erzbistums Paderborn, beschreibt Franziskus als einen Träumer, der durch seine Traumarbeit Entscheidungen für sein Leben gefällt hat. Franziskus war von dem Bild der “Weltherrschaft Gottes, also der Erneuerung und Bewahrung der Schöpfung beflügelt”. Dazu hat er in der Liebe zur Welt ja gesagt und sich von der Habgier abgewandt. An dem überaus idealistischen Franziskus “artikulieren sich die Lebensträume vieler anderer bis hin zur jüngsten Entscheidung, gerade ihn zum Patron Europas und der Bewahrung der Schöpfung zu wählen.” Fuchs zeigt auf, dass Franz von Assisi mit der Verwirklichung seines Lebenstraums zu seiner Zeit in Schwierigkeiten kam, denn die franziskanische Gemeinschaft durchlebte Konflikte, Papst Gregor IX. erklärte das Testament des Franziskus für nicht verbindlich und “linke” Franziskaner wurden als Ketzer verbrannt. Gleichzeitig ist Franziskus für die Orden, die sich an seinem Testament orientieren, ein Vorbild. Franz Kett sagt über die Heiligen, dass sie mit ihrem Leben von Jesus erzählen. Mit seinem Leben entspricht der Heilige Franz von Assisi dem Bild, das Jesus in der Bergpredigt vom Reich Gottes zeichnet. Franziskus kann auch für uns in Zeiten von Kriegen, Klimawandel und wirtschaftlichen Krisen, in denen rechtes Gedankengut aktuell Auftrieb bekommt, zur Leitfigur werden. Er erinnert daran, ressourcenschonend zu leben, die Schöpfung zu bewahren, sich als liebendes Mitgeschöpf sowie als geschwisterlich zu begreifen, für andere da zu sein und mit seinem ganzen Leben Gott zu loben. Dies ist Aufgabe, Berufung und gleichzeitig die Würde der Schöpfung, zu der auch wir uns im Sinne des Heiligen Franz von Assisi zählen dürfen. So sind wir, besonders mit Blick auf Erntedank, eingeladen mit Franziskus zu beten und dieses Gebet in unserem Lebenswerk zu entfalten, welches da heißt:
„Lobt und preist meinen Herrnund dankt ihm und dient ihm mit großer Demut.“
Carola Müller, Gemeindereferentin
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