St. Bonifatius Wiesbaden

Doppelt Spass

Musik Kultur KircheBenjamin Dahlhoff

Die Fußball-WM gibt die Chance, auch über die Freude und Herausforderungen unseres Lebens neu nachzudenken.

Kaplan Simon Schade

Kaplan Simon Schade

Den emeritierten Papst Benedikt XVI. bringen wahrscheinlich die wenigsten in Verbindung mit dem Spiel rund um den Ball. Aber unter seinen vielen Schriften und Interviews findet sich auch eine Rede über Möglichkeiten und Macht des Fußballs aus dem Jahre 1978. In diesem äußerst beachtenswerten Text schreibt er: 

„Mir scheint: Fußball nötigt den Menschen, zunächst sich selbst in Zucht zu nehmen, so daß er durch Training die Verfügung über sich gewinnt, durch Verfügung Überlegenheit und durch Überlegenheit Freiheit. Er lehrt ihn aber auch das disziplinierte Miteinander; als Mannschaftsspiel zwingt er zur Einordnung des Eigenen ins Ganze.“ 

Der damalige Kardinal lässt also im Spiel erkennen, was wir Menschen für unser Miteinander brauchen: Dass wir selbst Verantwortung übernehmen und trotzdem nicht zum Einzelkämpfer werden, sondern unseren Platz im Team und die Verantwortung für die Menschen um uns herum im Blick behalten.

Weiter spricht der spätere Papst über den Fußball: „Und er lehrt schließlich ein faires Gegeneinander, bei dem die gemeinsame Regel in der Gegnerschaft das Verbindende und Einende bleibt, und überdies die Freiheit des Spielerischen, wenn es mit rechten Dingen zugeht, die den Ernst des gespielten Gegeneinanders wieder in die Freiheit des beendigten Spiels auflöst.“ Sprich: Es ist längst nicht alles perfekt im Leben und manch einen Konflikt gilt es zu lösen, manche Auseinandersetzung zu gewinnen. Aber wie im Spiel gilt es auch im Leben: Nur wenn es fair läuft, kann etwas Gutes entstehen.

Und für alle, die bei der WM nicht auf dem Platz stehen, sagt uns der Heilige Vater im Ruhestand: „Im Zusehen identifizieren sich die Menschen, die Spieler werden zum Symbol des eigenen Lebens; das wirkt wieder auf sie zurück.“ Schauen wir uns also diese WM auch unter der Brille unseres Christseins an, lassen wir uns von guten und cleveren Lösungswegen erfreuen, weinen wir mit den Traurigen, freuen wir uns mit den Fröhlichen und lassen wir uns nie vergessen: Auch im großen Spiel des Lebens haben wir trotz aller Höhen und Tiefen allen Grund zur Freude.

Kaplan Simon Schade