St. Bonifatius Wiesbaden

Krankensalbung

Aufsuchende SeelsorgeBenjamin Dahlhoff

Sie sanfte Zuwendung Gottes

Salben brauchen wir fast täglich für ganz verschiedene Zwecke: eine Salbe gegen die Falten im Gesicht; eine Salbe gegen trockene Haut oder gegen Sonnenbrand; eine Salbe zur Heilung einer Wunde und Salben gegen das Wundwerden vom Säugling bis ins hohe Alter.

Auch bei der Spendung von vier Sakramenten wird eine Salbung vollzogen, allerdings mit geweihtem Öl: bei der Taufe wird der Getaufte mit Chrisam gesalbt, um die neu geschenkte Christusverbundenheit darzustellen; die Salbung bei der Firmung weist auf die Energie hin, die im Öl steckt, und auf die Kraft des Heiligen Geistes, die durch die Firmung geschenkt wird; bei der Priesterweihe ist die Salbung der Hände des Neugeweihten ein Zeichen für die heilende Kraft der Sakramente, die der Priester ausspendet; und schließlich bei der Krankensalbung ist die Salbung ein Zeichen für die sanfte heilende Zuwendung Gottes zum kranken und behinderten Menschen.

Ein Sakrament ist immer ein äußeres sichtbares und wirksames Zeichen für Gottes Liebe und Zuwendung zu uns Menschen. Es besteht aus einem klaren deutenden Wort und einem Symbol für Gottes Heilswirken und ist eine ernst zu nehmende Einladung, im Glauben und mit offenem Herzen Gottes Heil anzunehmen.

Die Krankensalbung weckt die Erinnerung an die heilende Kraft, die von Jesus ausging und viele Kranke heilte und von Dämonen befreite. In der Art und Weise wie sich Jesus den Kranken zuwendet, sie anspricht, sie berührt, wie er z.B. die Schwiegermutter des Andreas und Petrus an der Hand fasst und sie aufrichtet, seelisch und körperlich (Markus 1,29-31), wird Gottes Liebe zu uns Menschen erkennbar. Die Krankensalbung erinnert aber auch an Jesus Auftrag an die Apostel, die Gottesherrschaft zu verkünden und die Kranken durch Salbung mit Öl zu heilen.

Der Jakobusbrief fasst die Praxis der frühen Christengemeinden knapp zusammen; „Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich: Sie sollen über ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben. Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet“ (Jakobus 5,14-16).

Die liebende Zuwendung Gottes in der Krankensalbung erfasst den ganzen Menschen, Seele und Leib. Die Seele des Kranken wird aufgerichtet, damit vom inneren Kern des Menschen her auch neue Kraft in den kranken Körper einströmen kann und – wenn es möglich ist – auch die körperliche Heilung eintritt. Vielleicht wird einfach nur die Einstellung zur Krankheit oder Behinderung verändert und so der Gesamtzustand verbessert. Wenn die Seele durch Sünden verletzt ist, werden auch diese Wunden geheilt, die Sünden vergeben. Entscheidend ist – wie bei jedem Sakrament – der Glaube des Kranken und auch aller übrigen Anwesenden, damit kein leerer äußerer Ritus vollzogen, sondern Gottes heilende Zuwendung angenommen wird.

Unsere Erfahrung sagt uns, wie wichtig menschliche Zuwendung für das Gedeihen eines Menschen ist, vom Säuglingsalter angefangen und das ganze Leben hindurch und vor allem bei Krankheit und Behinderung. Wie die Nähe und Begleitung eines liebenden Menschen uns aufrichtet und neuen Lebensmut schenkt oder einfach unsere Situation erleichtert so erst recht Gottes liebende Zuwendung. Auch schon in der Zuwendung eines Menschen ist Gott im Spiel. In der Krankensalbung wird Gottes liebende Zuwendung im Wort und Zeichen der Salbung verdichtet und im Symbol erfahrbar.

Franz Meister
Symbolfoto: Krankensalbung. 2013 B.Dahlhoff