St. Bonifatius Wiesbaden

Darstellung des Herrn

Theologie SpiritualitätBenjamin Dahlhoff

Meine Augen haben das Heil gesehen!

Am 40. Tag nach Weihnachten feiern wir in den katholischen Kirchen das Fest der „Darstellung des Herrn“. In den Ostkirchen heißt es schlicht „Hypapanthe“ - Begegnung. Am 40. Tag nach der Geburt Jesu begegnen sich Maria, Josef und das Jesuskind im Tempel.

Simeon und Hanna. Simeon bedeutet der Hörende. Lange hat er die Worte der Schrift gehört und verinnerlicht. Lange hat er auf „den Retter“ gewartet. In diesem Moment ruft ihn Gottes Geist in den Tempel und er erkennt im kleinen Kind „das Licht, das die Heiden erleuchtet“. Von Simeon sind uns die Worte überliefert, die bis heute in Klöstern und Kirchen in jedem Nachtgebet (Komplet) gebetet werden: 

Bild:  Darstellung des Herrn (Hans Holbein der Ältere, 1501, Hamburger Kunsthalle)

Bild:  Darstellung des Herrn (Hans Holbein der Ältere, 1501, Hamburger Kunsthalle)

Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, 
wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. 
Denn meine Augen haben das Heil gesehen, 
das du vor allen Völkern bereitet hast, 
ein Licht, das die Heiden erleuchtet
und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

Am 2. Februar tragen wir Kerzen durch die dunkle Kirche, um uns zu vergegenwärtigen, dass unser Licht, Christus, zu uns gekommen ist und unter uns lebt. Im Schrifttext berichtet der Evangelist Lukas von einer weiteren Begegnung: Hanna, die seit vielen Jahren verwitwet ist und sich seitdem immer im Tempel aufhält, sieht das Kind, erkennt es als Erlöser und preist Gott. Hanna gehörte als Witwe zu denen, die auf vieles verzichten musste. Ihr wurde nichts geschenkt und oft musste sie sehen, wo sie blieb. Dass sie nicht an Gottes Fürsorge zweifelt, sondern aus ihrer Beziehung zu Gott Kraft schöpft, mag auch uns ermutigen. 

Beide, Hanna und Simeon, schauen hinter die Fassade. Im Neugeborenen sehen sie sowohl „das Licht“ als auch den Mann, an dem sich die Geister scheiden. Die Freude und die Schmerzen, die dieses Kind mit sich bringt. So begegnen wir in der Weihnachtszeit den Menschen, die Jesus sahen: zuerst den Hirten, die Stellvertreter sind für alle, die ausgegrenzt werden. Die Sterndeuter, die Weisen, stellvertretend für alle, die Gott suchen und sich auf den Weg machen. Sowie Simeon und Hanna, die in ihrem hohen Alter noch offen sind für Gottes Wort und Licht. Alle waren angerührt von diesem Kind und ließen sich bewegen. Wie begegne ich Jesus, dem göttlichen Licht?

Gemeindereferentin Marion Lindemann