St. Bonifatius Wiesbaden

Tür 9

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Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

1Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene;

2Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.

3Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündigte dort überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.

4 (So erfüllte sich,) was im Buch der Reden des Propheten Jesaja steht: Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen!

5Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.

6Und alle Menschen werden das Heil sehen, das von Gott kommt.

 
 

Gewaltige Worte sind es, die dort beim Propheten Jesaja stehen und die der Evangelist Lukas hier auf Johannes den Täufer bezieht. „Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet ihm die Straßen! Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.“

Das klingt nach einem großen König, der mit einem gewaltigen Heer heranmarschiert, der eine Prachtstraße oder zumindest eine Heeresstraße benötigt. Aber der Herr, den wir erwarten, ist ganz anders: Er wird in einem armseligen Stall zur Welt kommen. Statt eines Heeres werden nur ungebildete und ausgestoßene Hirten dort sein, um ihn zu bejubeln. Weder sie noch das Kind in der Krippe brauchen eine große Heeresstraße – das Kind kann eh noch nicht laufen, die Hirten sind es gewohnt, sich im Gelände zu bewegen. Wie also sollen wir diese großen Bilder verstehen?

Das Evangelium selbst gibt uns einen Hinweis: Johannes verkündete überall Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden, so steht es dort. Er war kein Straßenbaumeister, zumindest nicht im wörtlichen Sinn. Die Wege, die wir dem Herrn bereiten sollen, sind nicht äußerlich, sondern innerlich. In unserem Herzen sollen wir Christus den Weg bereiten, wir sollen Hindernisse beseitigen, die uns von ihm trennen, wir sollen gerade machen, was in krumme Ecken führt.

Dazu gehört die Umkehr: Wir Menschen sind schwache Wesen, die immer wieder falsche Entscheidungen treffen, die sich, so der traditionelle Ausdruck, versündigen. Es ist heilsam, sich diese Verfehlungen einzugestehen, zumal wir einen Gott haben, der barmherzig ist und die Sünden vergibt – selbst das, was Menschen nicht vergeben können oder wollen. Dazu gehört auch die Arbeit am eigenen Leben: Was kann ich tun, um nicht wieder in die gleichen Fallen zu tappen? Um nicht wieder die gleichen Fehler zu begehen?

Gott möchte in unserem Herzen Platz haben – nicht nur ein bisschen, sondern ganz wesentlich, ganz zentral. Und es tut uns und der Welt gut, ihm diesen Platz einzuräumen, denn er ist der Gott der Liebe, er ist der Gott, der selbst die Liebe ist. Keine romantisch verkürzte Liebe, auch kein erotisches Begehren, sondern Liebe, die uns ganz und vollkommen annimmt, die uns sagt: Du bist gut, du bist gewollt, du bist mein geliebtes Kind. Glaube daran, vertraue darauf, und du wirst sehen: Diese Liebe wird dein Leben und das Leben deiner Umgebung verwandeln und heilen.

Für eine solche heilsame Verwandlung reicht ein bisschen Liebe nicht aus. Hierfür müssen wir Gott unser Herz wirklich öffnen, ihm Raum geben, Platz schaffen. Wir müssen ihm den Weg bereiten, einen breiten Weg, keinen kleinen Pfad zwischen all dem anderen, das sonst noch wichtig ist. Hieran möchte uns das Evangelium erinnern. Und es sagt uns zugleich: Hab keine Angst, dich auf diesen Gott einzulassen! Hab keine Angst, dein Leben von diesem Gott bestimmen zu lassen! Denn seine Größe liegt nicht in der Gewalt oder in der missbrauchten Macht. Seine Größe liegt in der Liebe, in seinem Da-Sein, in seinem Mitgehen mit uns Menschen. Denn dieser gewaltige Gott, der Schöpfer Himmels und der Erden, er kam auf die Welt als ein kleines, armes Kind unter erbärmlichen Umständen.

Bereiten wir ihm den Weg in unserem Herzen!

Einen gesegneten zweiten Advent
und eine gesegnete Woche.