St. Bonifatius Wiesbaden

Tür 23

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Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

39Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.

40Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.

41Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt

42und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.

43Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

44In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.

45Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

 
 

Es ist ein ungeborenes Kind, das als erstes in Jesus Gott erkennt! Verborgener, stiller und diskreter geht es kaum. Welch große Bedeutung hat ein ungeborenes Kind für Gott! Lukas schreibt: Johannes hüpft in Elisabets Leib. Und erst, nachdem das ungeborene Kind sie darauf aufmerksam macht, ist auch sie vom Geist erfüllt. Für sie enthüllt sich jetzt das Geheimnis um Marias Mutterschaft und sie kann nicht anders, als ihre übergroße Freude hinauszuschreien. Es ist die Freude über Marias einzigartige Berufung, die sie vor allen anderen Glaubenden auszeichnet. Und Maria? Begreift sie erst jetzt die ungeheure Bedeutung der vorausgegangenen Geschehnisse? Vielleicht hat es dazu dieser Begegnung, dieser anderen Perspektive von außen auf ihre Situation bedurft? Ihre Antwort, ein Lobpreis auf die Größe Gottes, legt das nahe.

Die ungeheuer lebendige Kraft, die von der Person Jesus ausgeht, findet ihre unmittelbarste und klarste Antwort bei Kindern. Zu den Erwachsenen sagt Jesus: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen.“ (Mt 18,3) Unsere eigene Menschwerdung finden wir über das Kindsein. Irgend etwas in uns ist berührbar, jenseits von Welterfahrungen, jenseits von Worten. Das Geheimnis Gottes wird uns auch in der Begegnung mit Menschen geschenkt, die auf unser Leben, unsere Situation eine andere Sicht vermitteln. Das Geheimnis ist oft verborgen und diskret, aber von unschätzbarem Wert, denn es erfüllt uns mit Gottes Geist, der alles wandeln kann, ganz anders als wir erwarten.

Einen frohen vierten Advent.