St. Bonifatius Wiesbaden

Theologie Spiritualität

Fasten Your Seatbelt

Gemeindebrief, Theologie SpiritualitätPhilippe Jaeck

Beim Wort Fasten denken wir automatisch ans Essen. Das kommt nicht von ungefähr, denn die Regeln, die es in den großen Religionen dazu gibt, beziehen sich darauf. Also: Fasten eine religiös motivierte Diät.

PfrMatthiasOhlig

Verstärkt wird diese Vorstellung durch solche Verfahren wie Heilfasten, Fastenkuren nach Buchinger und andere. Es ist sicher nicht verkehrt, die positiven gesundheitlichen Aspekte mit in die Waagschale zu werfen. Doch Fasten im Glauben ist weit mehr und bemisst sich nicht in verlorenen Pfunden.

Das deutsche Wort: „Fasten“ zeigt die Richtung, allerdings nicht sofort. Denn dieses Wort ist eben für uns klar besetzt mit Verzicht auf bestimmte Speisen und Getränke usw. Ich bin vor kurzem in einen Urlaub geflogen. Kurz vor dem Abheben werden die Fluggäste mit den Sicherheitsmaßnahmen vertraut gemacht, dabei heißt es auf Englisch: „Fasten Your Seatbelt“ - befestigen Sie Ihren Sitzgurt! Früher wurde dies auch über den Sitzen angezeigt: Fasten Your Seatbelt. Heutzutage wird dieser Satz in der Anzeige durch ein Piktogramm ersetzt.

Dieses „Fasten“ bedeutet tatsächlich dasselbe wie unser Fasten. Denn beide Worte beruhen auf dem mittelalterlichen „Festen“. Wenn wir fasten, geht es also in erster Linie darum, uns festzumachen! Das klingt erst mal paradox. Wir sollen doch beim Fasten verzichten, was hat das mit Festmachen zu tun?

Gerade der Verzicht, ob beim Essen oder in anderen Bereichen, kann uns bewusst machen, wie vieles uns bindet, uns sogar abhängig macht von Dingen und Verhaltensweisen. Wir werden von außen festgemacht.

Im Fasten können wir uns wieder selbst erfahren, selbst bestimmen, woran wir uns wirklich festmachen. So können wir gerade im Loslassen wieder frei werden zur neuen Bindung.Im bekannten Lied zur Fastenzeit wird dies in der letzten Strophe zum Ausdruck gebracht:

„O Herr, nimm unsre Schuld, die Dinge die uns binden und hilf, dass wir durch Dich den Weg zum andern finden.“ (Gotteslob Nr. 273,4)

Ich wünsche Ihnen eine Fastenzeit, die Ihnen hilft, im Loslassen sich wieder festzumachen in sich, zu den anderen und nicht zuletzt in Gott!

Gesegnete Fastenzeit

Ihr Pfarrer Matthias Ohlig